Ich verbringe einen nicht unwesentlichen Teil meiner Freizeit damit, der stillenden Herzdame Dinge zuzureichen, an die sie gerade nicht ankommt. Sie sitzt irgendwo mit dem Baby am Busen, während dringend benötigte Gegenstände knapp außerhalb ihrer Reichweite herumliegen, was ihr aus offensichtlich prinzipiellen Gründen erst dann einfällt, wenn ich mich anderweitig hinsetze. Solange ich direkt vor ihr stehe, braucht sie nichts, auch nicht, während ich weggehe, der Moment des Bedarfs entsteht aufgrund geheimnisvoller Gesetze erst, wenn ich sitze oder liege. Vorzugsweise, wenn ich in einem anderen Raum liege.

Ich wundere mich etwas, daß es da keine Lösung im Bekleidungsgeschäft gibt. Für den eifrigen Heimwerker gibt es ja auch die unverzichtbare Funktionsweste mit diversen Verstaumöglichkeiten für Schraubenzieher und Phasenprüfer. Wieso gibt es nicht ein Kleidungsstück für die stillende Mutter, in welchem sie ein Festnetztelefon, ein Handy, eine Flasche Wasser, eine Flasche Apfelsaft, eine Tüte Kekse, ein Käsebrot, einen Roman, etwas Ratgeberliteratur, die aktuelle Zeit, eine Stoffwindel, einen Schnuller, ein Notebook, einen Kugelschreiber, einen Notizblock, eine Digitalkamera, einen USB-Stick, einen iPod, die Kontoauszüge des letzten Monats, ein paar Überweisungsformulare, Vitamin-D-Pillen, warme Socken, Hausschuhe, eine Strickjacke, ein Kissen, einen Kalender, die Post von heute, die Fernbedienung des Fernsehers, die Fernbedienung der Stereoanlage, eine Pinzette, eine Nagelfeile und eine Schere elegant so unterbringen kann, das alles mit einem Handgriff schnell erreichbar ist?

Gibt es denn keine Menschen in der Textilindustrie, die noch Herausforderungen suchen? Ich wäre wirklich dankbar.

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