Schön, schön

Wenn man als Mann gerade sehr viel zu tun hat und daher abends verbissen am Computer sitzt, hat man natürlich wenig Lust, sich die Modenschau der Gattin anzusehen, die tagsüber einkaufen war und nun die Beute vorführen möchte.

Man kann sich als findiger und kommunikationsstarker Mensch aber behelfen und ohne genau hinzusehen gelegentlich etwas wie “schön, schön” oder “naja” oder “hmmm” murmeln, während die neue Kleidung im Auf- und Abgehen vor dem Spiegel präsentiert wird und die Berichte von den Einkaufserlebnissen munter aus der Frau heraus perlen. Das geht sehr gut. Was nicht gut geht, ist gar nicht hinzusehen und trotzdem etwas zu sagen.

Als die Herzdame vorhin zum zwanzigsten Mal an mir vorbeiging, murmelte ich ohne auch nur den Kopf zu heben ein lässiges “zu kurz” – auch so eine Bemerkung, die normalerweise gerne als ernsthafte Einlassung verstanden wird. Es wäre allerdings deutlich besser für den Rest des Abends gewesen, ich hätte vor dieser Bemerkung gemerkt, daß die Herzdame gerade nur einen Slip anhatte.

Neu auf dem Nachttisch

Georges Simenon: Betty. Übersetzt von Raymond Regh, zuerst erschienen1961. Der Roman beginnt so:

“Möchten Sie eine Kleinigkeit essen?” Sie schüttelte den Kopf. Es schien ihr, als habe die Stimme, die sie hörte, einen unnatürlichen Klang, so als hätte jemand hinter einer Glasscheibe gesprochen. “Wissen Sie, wenn ich sage, eine Kleinigkeit, dann meine ich Hase, denn wie Sie ringsum feststellen werden, ist heute Hasentag. Pech für Sie, wenn Sie das nicht mögen. Wenn Kabeljautag ist, dann gibt es nur Kabeljau.”