Die Herzdame und ich unterscheiden uns in nahezu allen wichtigen Fragen des Lebens grundsätzlich, sonst wäre es ja auch schrecklich langweilig. So können wir auch keine Einigkeit bei der Frage des Weihnachtsbaums erzielen, denn die Frage nach echten, brennenden Kerzen oder der sicheren Elektrovariante führt Jahr um Jahr zu ernsthaften Differenzen. Als entspannungssuchender Mensch bevorzuge ich die Elektrovariante, die gemeinhin nicht plötzlich in Brand gerät und die Feiertage verdirbt, die Herzdame aber, als wildes Landkind, bevorzugt echte Kerzen, damit Weihnachten auch richtig spannend wird. Schon bei unserem ersten gemeinsamen Weihnachtsfest vor sechs Jahren haben wir uns daher unfriedlich auf beide Arten von Kerzen geeinigt.

Die Wachskerzen dulde ich aber nur, sofern ein Eimer mit Wasser neben dem Baum steht, was die Herzdame wiederum grauenvoll uncool und peinlich findet. Ich habe allerdings keine Lust auf eine abgebrannte Wohnung, nur weil das Löschzubehör nicht dem Stil der Herzdame entspricht und so streiten wir zeremoniell kurz vor Weihnachten um die Plazierung von Baum und Eimer. Die Lösungen variieren, mal steht der Eimer mehr, mal weniger prominent im Raum. In diesem Jahr steht der Baum in einer Zimmerecke und der Eimer dahinter, so daß man, wenn der Baum brennen sollte, erst den gerade abfackelnden Baum hochheben müßte, um an den Eimer zu gelangen. „Hauptsache Eimer im Raum“, wie die Herzdame sagt, die wohl als Jahressiegerin zu betrachten ist.

Ich lasse sie freundlich nickend gewähren und nähe derweil heimlich kleine Schildchen mit dem Aufdruck „Löschdecke“ an ihre geliebten Sofaüberwürfe. Man lernt, sich zu arrangieren, wenn man nur lange genug zusammen ist.

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