Das Kind ist wach, sehr wach. Es ist fast immer wach. Wenn es wach ist, möchte es bespielt werden, und zwar nicht nebenbei, sondern gründlich. Der erwachsene Mensch neigt aber, selbst wenn er liebender Vater ist, nach drei, vier Stunden Dauerbekasperung des Nachwuchses leider manchmal etwas zur Ermüdung, was augenblicklich wütendes Geschrei zur Folge hat. Als das Kind gestern abend auch gegen zwölf Uhr noch in allerdeutlichster Munterkeit auf meinem Schoß herumturnte und ich es allmählich doch satt hatte, seine Gesprächsbeiträge à la „dada“ und „gögö“ wieder und wieder in ähnlichem Wortlaut zu beantworten, habe ich, weil mir gerade nichts anderes einfiel, angefangen, dem Sohn von meinem Beruf zu erzählen. Das Kind schätzt es nämlich im Allgemeinen sehr, wenn man ihm etwas erzählt.

Ich habe ihm also eine kleine Grundeinführung in Controlling und Buchhaltung gegeben, unter besonderer Berücksichtigung der Deckungsbeitragsrechnung. Nach nur etwa vier Minuten Vortrag kippte der Kopf des Kindes nach hinten, es schnarchte leise und war in den nächsten sieben Stunden nicht mehr wach zu bekommen. Ein ebenso ungewohnter wie friedlicher Anblick, so ein schlafendes Kind.

Heute abend erkläre ich ihm den Unterschied zwischen fixen und variablen Kosten, vielleicht reicht das ja, wenn ich noch besonders auf die Grenzkostenbetrachtung eingehe, sogar für acht Stunden Schlaf.

Und so kommen auch Menschen wie ich endlich, endlich zu dem wunderschönen Gefühl, einen richtig sinnvollen Job zu haben.

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