Das Kind verlangt zusehends deutlicher nach abwechslungsreicher Unterhaltung. Ab einem gewissen Alter reicht es eben nicht mehr aus, immer nur einen roten Ball herumzuschubsen, einen Stoffhasen in Grund und Boden zu knuddeln oder einen Greifling gründlich einzuspeicheln. Es darf gerne etwas mehr sein. So probiert man als Elternteil herum, erfindet Turnübungen und lustige Geräusche, lernt endlich, wofür Tupperware wirklich gut ist und entdeckt an sich ganz ungeahnte Qualitäten als Klettergerüst. Und überlegt angestrengt weiter, was noch zur Erheiterung beitragen könnte.

Gestern haben wir versucht, das Kind mit Seifenblasen zu bespaßen. Es gibt immer noch die Marke Pustefix und dieses seifig-klebrige Gefühl an den Fingern, wenn man mit der schmierigen Dose herumhantiert, kommt einem seltsam vertraut vor. Das Kind guckt erwartungsvoll zu, während der Vater in der Dose rührt, pustet und dann – einfach so! – eine große Schar leuchtender Seifenblasen entstehen läßt. Aus dem Nichts. Man sieht dem Kind die fassungslose Begeisterung an, hingerissen beobachtet es den Flug der rosabunt leuchtenden Kugeln, die langsam tanzend zu Boden schweben, auf das Kind zu, das freudig die Arme nach ihnen ausstreckt. Die Seifenblasen landen auf Händen und Gesicht, platzen und sind weg.

Das Kind weint. Und da hilft es gar nichts, daß die Eltern oben mit der Dose herumwedeln, betont fröhlich sind und unentwegt ganze Heerscharen von neuen Blasen entstehen lassen und quer durch den Raum pusten, bis das Parkett ringsum von den tropfenden Resten eine sehr rutschige Piste wird. Das Kind hängt noch in dem Moment fest, als die allerersten Seifenblasen seines Lebens, die sich gänzlich unerwartet durch eine phantastische Zauberbegabung des Vaters materialisiert haben, gerade in dem Moment aufgehört haben zu existieren, als sie eben in Griffweite waren.

Man muß wohl erst etwas älter werden, um sich unentwegt mit der Produktion neuer Seifenblasen trösten zu können.

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