Wie erfreulich, wenn das Kind endlich das Alter erreicht, in dem man mit der Zufütterung von Brei beginnen kann. Birgt diese neue Phase doch für den Vater die Chance, endlich als Ernährer ernst genommen zu werden und das Kind nicht nur mit Freifahrten im Kinderwagen, Rumgerassel und schrägen Gesängen, sondern endlich auch mit Kalorien versorgen zu können.

Die lange Zeit bis zum Beginn der Zufütterung ist geprägt von der wahrscheinlich größten Ungerechtigkeit, die man als Mann im Leben erdulden muß. Denn ein üblicher Abend mit einem quengelnden Kind allein zu Haus läuft so ab, daß man sich als Vater moderner Prägung natürlich aufopfernd und hingebungsvoll um das Baby kümmert, es stundenlang schaukelt und wiegt, herumträgt und bespaßt. Leider ist das aber komplett sinnlos, denn das Kind erweist sich an solchen Abenden regelmäßig als undankbarer Ableger schlimmster Sorte und schreit und weint trotz aller immer krampfhafter werdenden Bemühungen des Papas, der nicht recht einsehen kann, wieso denn die Mutter soviel besser im Herumtragen sein soll. Kann die etwa besser gehen? Summt sie schöner? Atmet sie womöglich rhythmischer? Während man ein gar nicht mal so kleines Repertoire an sonst sicheren und garantiert wirksamen Säuglingsaufheiterungen abspult, verschlechtert sich die Laune des herumgetragenen Kindes sichtlich, es kräht und jammert herzergreifend und windet sich im Arm bis es schließlich beim schnell eskalierenden Schreien bedenkliche Farbänderungen im Gesicht durchläuft und danach nur noch leise fiept, als hätte man es in regennasser Nacht im Hinterhof ausgesetzt. Kaum ist man aber als erschöpfter Vater in selbstschützender Verkennung der Tatsachen bereit, dieses Fiepen als Zeichen fürs ersehnte Einschlafen umzudeuten, dreht der Nachwuchs die Lautstärke unvermittelt wieder hoch in bisher ungeahnte Dimensionen, die dafür sorgen, daß in den Nachbarwohnungen ringsum nach und nach die Lichter angehen. Ein resignierter Anruf, der die Mutter mit Ausgang nach Hause beordert verspricht schließlich Erleichterung, aber auch ihr Rückweg braucht seine Zeit.

Diese Situation zieht sich quälend hin, bis die heimkehrende Mutter sich auf etwa fünfhundert Meter dem Haus nähert, was das Kind durch einen rätselhaften und bisher gänzlich unerklärten Fledermaussinn wahrnimmt. Im Bruchteil einer Sekunde klappt der eben noch grotesk weit aufgerissene Mund zu, ein Lächeln schießt in die Mundwinkel, alle Muskeln des sich eben noch aufbäumenden Körpers entspannen sich, die Augen fallen zu und das Köpfchen wird friedlich an des Vaters Hals gekuschelt. Die Mutter kommt in die Wohnung und stellt erfreut fest, wie gut sich Vater und Kind doch schon wieder vertragen. Das Kleine schnarcht ganz leise, der Vater murmelt giftig knurrend und seltsam erschöpft von akutem Bierbedarf und treulosem Verräterzwerg. Die Mutter streichelt das anscheinend selig schlafende Kind, welches traumverloren und wie zufällig nach ihrer Brust langt und fragt sich in Gedanken nur, ob auch Väter gelegentlich unter seltsamen Hormonkollern leiden.

Es ist eine Zeit voller ungeahnter Anstrengungen, während der man sich nur der zweifelhaften Hoffnung hingeben kann, an den Erfahrungen innerlich zu wachsen. Zu irgendwas muß es gut sein.

Warum man aber auch in der nächsten Phase von einfachem Pastinakenbrei vor seltsame neue Herausforderungen gestellt wird – dazu demnächst mehr.

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