Im Heimatdorf der Herzdame gilt, wie hier schon mehrfach vermerkt, die einfache Grundregel, daß ein Mensch gesund ist, solange er noch „jo“ sagen kann. „Jo“ ist die nordostwestfälische alles erklärende Weltsilbe und gilt als Antwort auf jede nur irgend denkbare Frage. Wer irgendwann nicht mehr „jo“ sagen kann, dem ist eh nicht mehr zu helfen, da lohnt dann auch medizinischer Beistand kaum noch – deswegen braucht man eigentlich auch keine Ärzte in der Gegend, das regelt sich alles von selbst.

Als Hamburger habe ich eine ganz andere Sichtweise, ich neige zum Beispiel dazu, im Krankheitsfall einfach mal zum Arzt zu gehen. An die daraufhin tagelang anhaltenden verachtenden Blicke der Herzdame habe ich mich im Laufe der Jahre gewöhnt. Wenn ich krankgeschrieben bin und nicht zur Arbeit gehe, beginnt die Herzdame ihre Sätze gerne mit „Jetzt, wo du frei hast…“ Ich habe es irgendwann aufgegeben, mich mit ihr über dieses Thema zu verständigen.

Bei dem Nachwuchs müssen wir uns aber natürlich irgendwie einigen, wenn er mal einen seltsamen Eindruck macht oder gar irgendwelche klaren Symptome zeigt. Siegt ihre oder meine Sichtweise? Vorsorge oder beinhartes Abwarten? Im Moment sieht die Lösung so aus, daß die Herzdame mit dem Sohn bereitwillig zum Kinderarzt gehen wird, wann immer ich ihn für krank halte – sofern ich ihr ein T-Shirt mit dem Aufdruck „Mein Mann schickt mich“ bestelle.

Ich betrachte die medizinische Versorgung des Kleinen damit als gesichert.

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