Irene Dische: Lieben. Erzählungen. Aus dem Englischen von Reinhard Kaiser u.a.Zuerst erschienen 2006. Die erste Erzählung, Romeo und Julia, beginnt so:

„Niemand hinderte Romeo und Julia am Heiraten. Im Gegenteil, alle freuten sich. Romeo war schon achtundzwanzig und Julia achtzehn. In Romeos Frankfurter Wohnung wurde mit den Verwandten, die aus Nürnberg und Teheran angereist waren, ausgelassen gefeiert, dann folgte die Hochzeitsnacht und noch einige Nächte mehr. Nur die Augenblicke, in denen sie getrennt waren, mißfielen ihnen sehr.“

George Orwell: Meistererzählungen. Ausgewählt von Christian Strich. Die Geschichten erschienen zuerst zwischen 1933 und 1968. Die erste Erzählung, Ein Hamlet ohne Phantasie, beginnt so:

„Flory lag, nackt bis auf die schwarze Shan-Hose, schlafend auf seinem schweißfeuchten Bett. Er hatte den ganzen Tag herumgetrödelt. Er verbrachte annähernd drei Wochen jedes Monats im Lager und kam immer nur für ein paar Tage nach Kyauktada, hauptsächlich um zu faulenzen, denn er hatte sehr wenig Büroarbeit zu tun.“

Prosper Mérimée: Carmen und andere Novellen. Aus dem Französischen von Arthur Schurig. Die Novellen erschienen erstmal zwischen 1829 und 1866. Die erste Novelle, Matteo Falcone, beginnt so:

„Wenn man von Porto Vecchio in das Innere der Insel wandert, in nordwestlicher Richtung, steigt der Weg ziemlich rasch, und nach drei Stunden Marsch auf sich schlängelndem Saumpfad, den mächtige Felsblöcke verbauen und zuweilen Schluchten unterbrechen, steht man am Rand einer weitausgedehnten Macchia. Hier ist die Heimat der korsischen Hirten und der Schlupfwinkel derer, die mit dem Gesetz in Widerstreit geraten sind.“

Joseph Conrad: Schattenlinie – eine Beichte. Aus dem Englischen von E. McCalman. Das Buch erschien zuerst 1917 und beginnt so:

„Nur junge Menschen kennen solche Augenblicke. Ich meine nicht die ganz jungen. Nein. Die ganz jungen kennen eigentlich keine Augenblicke. Es ist das Vorrecht der Jugend, in der Zukunft zu leben, in all der schönen, stetigen Hoffnung, die keine Pausen und keine Selbstbetrachtungen kennt.“

Wolf Haas: Silentium. Zuerst erschienen 1999. Der Roman beginnt so:

„Jetzt ist schon wieder was passiert. Und ausgerechnet im Marianum, wo man glauben möchte, da kommt der Bauernbub als Zehnjähriger auf der einen Seite hinein und acht Jahre später als halbfertiger Pfarrer auf der anderen Seite wieder heraus. Kein Wunder, daß solange niemand Verdacht geschöpft hat. Weil eigentlich unfaßbar, daß ausgerechnet in der saubersten Internatsschule von Salzburg so etwas möglich war.“

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