Von den Umständen und der Witterung getrieben gingen die Herzdame und ich in ein Fachgeschäft für Sport- und Outdoorbekleidung, um für mich eine Regenjacke zu erstehen. Die Verkäuferin, an die wir uns wandten, fragte:

„Wozu brauchen Sie die Jacke? Trekking? Campen? Wandern? Outdoor-Sport? In welcher Gegend? Skandinavien? Berge? Rudern Sie auch? Segeln? Reiten? Was genau wollen Sie denn machen?“

Und ich antwortete schlicht: „Elternzeit im Herbst in Hamburg“.

Die Verkäuferin sagte nichts, nickte aber und ging mit uns im Schlepptau resolut von dem Ständer mit der reduzierten Ware weg, hin zu den richtig wasserdichten Jacken, an denen dicke Broschüren hingen, mit Erklärungen, was das jeweilige Kleidungsstück alles kann. „Dafür brauchen Sie so etwas“, sagte sie dann.

Man glaube nicht, die Kinderkleidung wäre teuer. Es ist das Nachrüsten der Eltern, das ins Geld geht. Ich habe mir nicht die ganze Broschüre durchgelesen, die da am Ärmel baumelte, aber ich nehme an, aus der Jacke kann man mit wenigen Handgriffen ein nordwandtaugliches Zelt bauen und wenn ich mal mit einem Tretboot auf der Alster kentern sollte, bläst sie sich wahrscheinlich selbsttätig zu einer Rettungsinsel auf und verschießt Leuchtspurmunition aus der Brusttasche in den Himmel über Hamburg. Man kann das Innenfutter herausnehmen und wahlweise als Strickjacke, Badehose oder Cape tragen. Im Rückenteil ist ein Fallschirm eingenäht und die Kapuze klappt sich bei Regen selbsttätig hoch. Dafür kostet die Jacke auch ein klein wenig mehr als ein einfacher Plastikregenumhang, das kann man natürlich verstehen.

Ich fühle mich viel besser, seit ich diese Jacke trage. Irgendwie wetterkompetenter. Was habe ich nur vorher bei Regen gemacht? Ich bin einfach nicht rausgegangen, schon klar. Tempi passati.

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