Im September beginnt meine zweimonatige Elternzeit, während die Herzdame nach einem Jahr Babypause wieder arbeiten geht. Wenn ich anderen von den nächsten acht Wochen erzähle, gibt es vier verschiedene Reaktionsmuster, je nachdem welcher Gruppe meine Gesprächspartner angehören.

Ältere Männer mit bereits erwachsenen Kindern bescheinigen mir gerne eine zumindest milde Form des Schwachsinns, wenn sie hören, daß ich monatelang mit dem Kind zuhause bleibe. Sie fragen gerne und als erstes, wer das denn bezahlen würde und schütteln dann den Rest des Tages mit dem Kopf, wenn sie die Antwort hören.

Ältere Frauen mit bereits erwachsenen Kindern werden sehr nachdenklich und überlegen dann lange, ob ihre Kinder damals wohl überlebt hätten, wäre der Vater acht Wochen mit den Kleinen alleine zuhause geblieben. Dann fragen sie vorsichtig, was denn meine Frau dazu sagen würde.

Männer in meinem Alter reagieren aufgeschlossen bis begeistert, wobei ich den Eindruck oft nicht loswerde, daß sie die Elternzeit für die Chance schlechthin halten, eine mehrwöchige Grillparty mit ihren Freunden abzuhalten, die womöglich ebenfalls Väter sind, so daß die Kleinen sich selber bespaßen, nur von Zeit zu Zeit gestört durch einige wenige engagierte Alibispielstunden, in denen die Väter fröhliche Kinder auf sonnigen Spielplätzen schaukeln.

Frauen in meinem Alter fragen dreimal nach, ob ich mir das auch wirklich genau überlegt hätte und sagen dann in der Regel nichts mehr. Aber sie lächeln auf eine bestimmte Weise – mit einem perfiden Ausdruck im Gesicht, irgendwo zwischen Schadenfreude und Mitleid. Ein äußerst abgründiger Blick liegt in ihren Augen und der Kopf neigt sich zur Seite, als würden Sie nachdenklich ein seltsames Tier im Zoo betrachten. Wenn wir uns nach dem Gespräch trennen, höre ich manchmal ein leises “hihi” von ihnen, das schon nicht mehr für meine Ohren bestimmt ist.

Ich bin sehr gespannt.

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