Ausflugslektüre

Hans-Ulrich Treichel: Heimatkunde oder: Alles ist heiter und edel. Besichtigungen. Das Buch erschien zuerst im Jahr 2000 und der erste Text darin, “Hausgeburt” beginnt so:

“Das Zentrum des Hauses war die Küche, in der ich im Beisein des Hundes, einer schwarzen Labradorhündin, und einer Tante in der Rolle der Geburtshelferin an einem Augustnachmittag geboren wurde. Der Vater hatte auf einer Hausgeburt bestanden, da er das Geschäft nicht schießen und auch keine umständlichen Krankenhausbesuche machen wollte. Den Berichten der Eltern und der Tante zufolge verlief die Geburt komplikationslos, wenn auch nicht ohne Störungen. An den Geburtsvorgang selbst kann ich mich nicht erinnern, wohl aber an beständig sich wiederholende Klingelgeräusche, an Tabakrauch und an zwei dunkle Hundeaugen. Letztere waren das erste, was ich von der Welt sah, so daß ich im Verlauf meiner Kindheit instinktiv dem Hund ein Zugehörigkeitsgefühl entgegenbrachte, während ich meiner Mutter gegenüber instinktiv mißtrauisch war.”

Jean-Philippe Toussaint: Sich lieben. Aus dem Französischen von Bernd Schwibs. Der Roman erschien zuerst 2002 und beginnt so:

“Ich hatte eine kleine Flasche mit Salzsäure füllen lassen und trug sie jetzt immer bei mir, mit der Idee, sie eines Tages jemandem mitten in die Visage zu schütten. Ich brauchte nur die Flasche zu öffnen, eine Flasche aus buntem Glas, die zuvor Wasserstoffperoxyd enthalten hätte, auf die Augen zu zielen und wegzurennen. Ich fühlte mich seltsam ruhig, seitdem ich mir diese Flasche mit bernsteinfarbener und ätzender Flüssigkeit beschafft hatte, die meine Stunden würzte und meine Gedanken schärfte.”

[Lektüre nach 50 Seiten abgebrochen, nicht mein Fall. Schlimmer noch, langweilig.]

Ivo Andric: Die Brücke über die Drina – eine Wischegrader Chronik. Aus dem Serbokoratischen von Ernst E. Jonas. Der Roman erschien zuerst 1945 und beginnt so:
“Den größeren Teil ihres Laufs fließt die Drina zwischen steilen Bergen durch enge Schluchten oder durch tiefe Täler mit schroff abfallenden Ufern. Nur an einigen Stellen des Flußlaufes erweitern sich seine Ufer zu offenen Niederungen und bilden, sei es auf einer, sei es auf beiden Seiten des Flusses, sonnige und fruchtbare, teils ebene, teils wellige Flächen, die zur Bestellung und Besiedlung geeignet sind. Eine solche Erweiterung entsteht auch hier bei Wischegrad, wo die Drina in jähem Sturz aus der tiefen und engen Klamm hervorbricht, die die Butkower Felsen und die Uzawer Berge bilden.”