Der Sohn wirft Bilderbücher durch das Zimmer und läuft dann jauchzend hinterher. Er schleppt sie zu mir und schleudert sie auf das Bett, klappt zwischendurch wahllos ein Buch auf und betrachtet sekundenlang ein Bild, lacht, dann fällt ihm plötzlich ein, doch besser an meinen Socken zu ziehen. Turnt johlend zum Fußende des Bettes. Er macht seltsam knurrende Geräusche, währen er an den Socken zieht, ich denke an Gremlins und tatsächlich beißt er mich in einen Zeh. Nur acht Zähne, aber ein Biß wie ein Frettchen. Er zieht sich aufs Bett, robbt meine Beine hoch, schubst das Buch weg, in dem ich zu lesen versuche und zeigt mit wichtiger Miene erst auf seine Nase, dann auf meine. Mehrfach. “Nase”, sage ich schließlich mit Nachdruck, denn wenn ich das nicht sagen würde, wäre er jetzt sehr enttäuscht. Er strahlt. Wendet sich um, setzt sich auf meine Knie und hoppelt auf und ab, daß das Bett quietscht. Fällt dabei vom Bett und krabbelt, wenn er schon mal da unten ist, drunter und sortiert, was er so findet. Ich bleibe oben liegen und überlege angestrengt, was er dort finden kann. Sehe aus dem Augenwinkel Schuhe durchs Zimmer fliegen. Dann kommt er wieder hervor, richtet sich auf und geht zum Wäscheständer, sich dabei in den Knien wiegend wie ein alter Matrose, die Hose auf Halbmast, den Ringelpullover üppig mit Staubmäusen dekoriert. Zupft ein Kleidungsstück nach dem anderen von oben herunter und wirft sie auf einen großen Haufen, auf den er sich dann rücklings fallen läßt. Guckt zu mir, ob ich das auch toll finde. Dann wirft er mit einer Geste großer Lässigkeit den leergefegten Wäscheständer um, daß der scheppernd auf das Parkett kracht und zitternd liegenbleibt. Klatscht, weil er so ein großes Geräusch geschafft hat, summt ein wenig, sieht aus dem Fenster, wo ein Flugzeug gerade hinter Dächern verschwindet und kommt zum Bett zurück. Steckt mir einen Finger ins Ohr und ist pikiert, weil mir das nicht gefällt. Schiebt die Unterlippe vor und haut mir auf die Nase.

Wir nennen es Mittagsschlaf.

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