Hans-Ulrich Treichel: Menschenflug. Der Roman erschien zuerst 2007 und beginnt so:

„Als er den handgeschriebenen Lebenslauf, der dem getippten Durchschlag eines Antrags auf Lastenausgleich beigeheftet war, vor sich auf den Schreibtisch legte, ging über Berlin und vor allem über Steglitz ein Gewitterregen nieder, der so stark war, daß er um die Fensterscheiben seiner Dachgeschoßwohnung fürchtete. Während er las, daß sein Vater 1909 in einem Ort mit dem zungenbrecherischen Namen Bryszcze im Kreis Luzk in Wolhynien geboren worden war und dort bis 1939 auf dem elterlichen Bauernhof gearbeitet hatte, bevor er im Sommer 1941 am Rußlandfeldzug teilnahm, wo er verwundet und nach der Amputation seines rechten Arms als dienstunfähig entlassen wurde, hätte er gern das Fenster geöffnet und die Regenluft ins Zimmer gelassen. Doch sobald er die oberen Lüftungsschlitze des Kippfensters auch nur ein wenig herunterklappt, sprühte Regenwasser herein, sprühte auf den Schreibtisch, den Monitor, die Tastatur und auch auf das vergilbte Blatt mit den Lebensdaten, die er jetzt, vierzig Jahre nach dem Tod seines Vaters, zum erstenmal zur Kenntnis nahm.“

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