Tips für Väter (21)

Der Frühling naht und wenn Sie ein Kleinkind haben, dann geraten Sie jetzt in eine Phase mit besonderen Herausforderungen. Sie denken vielleicht noch, Sie könnten demnächst wieder, wie damals mit dem Baby, nach Feierabend schön entspannt auf dem Spielplatz abhängen, charmant mit den Latte-Macchiato-Müttern flirten und dem friedlich im sonnigen Sandkasten buddelnden Kind hin und wieder lässig ein buntes Förmchen zuwerfen. Weit gefehlt. Kleinkinder können klettern.

Wenn Sie ein Kind im beginnenden Kletteralter haben, lassen Sie alle Hoffnung auf Entspannung fahren und richten Sie sich darauf ein, wieder und wieder jedes, wirklich jedes erreichbare Klettergerüst in der Nachbarschaft zu erklimmen, dem affenhaft vorausturnenden Nachwuchs hinterher, um stets rechtzeitig eine sichernde Hand in die Latzhose der abstürzenden Brut zu krallen. Unterschätzen Sie dabei nicht die sportliche Herausforderung, die solche Klettergerüste bieten, denn in aller Regel sind sie auf die Proportionen von nur zwergengroßen Menschen ausgerichtet und Sie haben sich vielleicht schon länger nicht mehr an einem Seil irgendwo entlang gehangelt.

Zur Vorbereitung auf diesen Frühling empfehle ich Ihnen daher eine einfache Übung, die Sie sehr gut zuhause nachmachen können. Stellen Sie dazu drei Stühle übereinander. Ihre Frau sollte die Stühle besser gut festhalten, denn Klettergerüste sind normalerweise fest verschraubt, was wir aber wegen des Aufwandes hier nicht exakt nachspielen wollen. Klemmen Sie sich Ihr Kind unter den Arm und krabbeln Sie unter dem ersten Stuhl durch. Wenn Sie den Stuhl halb passiert haben, drehen Sie sich mit dem Bauch nach oben, setzen Sie das Kind auf den Stuhl und ziehen Sie sich an der Kante des Möbels hoch. Robben Sie mit dem Bauch auf die Sitzfläche, natürlich ohne Ihr Kind dabei hinunterzuwerfen. Drehen Sie sich dann auf den Rücken und stemmen den Nachwuchs einen Stuhl höher. Achten Sie nicht auf das Knirschen Ihrer Bandscheiben und ignorieren Sie die Warnsignale diverser Muskeln, die Ihnen weismachen wollen, daß Sie gerade unmögliche Haltungen einnehmen. Wo ein Wille ist, geht es auch irgendwie nach oben. Ignorieren Sie auch die unverkennbar hämischen Kommentare Ihrer Frau, denn es ist nicht schön, wenn es vor den Augen des Kindes zu Handgreiflichkeiten zwischen den Eltern kommt. Wenn Sie den zweiten Stuhl erreicht haben, werden Sie bemerken, daß Ihnen der Nachwuchs, der nun verstanden hat, worum es geht, gemsengleich davonklettert und schon ebenso fröhlich wie ungesichert oben auf dem dritten Stuhl herumhüpft, während Sie noch Ihre Glieder auf der Zwischenstation sortieren und die Mutter jetzt ängstlich fiepende Geräusche von sich gibt und nervös um die Stühle herumtänzelt, statt sie weiter festzuhalten. Ergreifen Sie das nächstbeste Körperteil des Kindes, halten Sie es daran fest, egal, was passiert, reden Sie beruhigend auf die Mutter ein und versuchen Sie insgesamt so zu wirken, als hätten Sie alles im Griff. Lassen Sie das Ziel, die Sitzfläche des dritten Stuhls, nicht aus dem Blick und murmeln Sie mantragleich alles, was Ihnen je an Durchhalteparolen bekannt geworden ist. Wenn Sie gläubig sind, können Sie auch ein wenig beten.

Wenn Sie diese Übung zwei- dreimal mit oder ohne Erfolg absolviert haben, sind Sie wahrscheinlich optimal auf die Klettergerüste in freier Natur vorbereitet. Viel Erfolg.

Merlix empfiehlt

Noch ein kleiner Nachtrag zum Katholizismus, denn ich habe da eine wichtige Empfehlung vergessen. Man muß ja nicht unbedingt Texte lesen, um etwas über das Thema zu erfahren, man kann auch einfach Bilder ansehen. Zum Beispiel die meines sehr geschätzten Flickr-Freundes Chema Concellon, eines spanischen Fotografen aus Valladolid.

Gucken Sie doch mal hier in seinen Fotostream und gehen Sie ruhig auch ein paar Seiten zurück und sehen Sie sich ein paar Bilder in Vergrößerung an. Sehr beeindruckende Bilder aus einer anderen Welt – für mich als nichtkatholischen Norddeutschen handelt es sich dabei eher um ein anderes Universum. Aber was für Aufnahmen!

Neu auf dem Nachttisch

Passend zum letzten Eintrag ein Buch von jemandem, der sich in seinem Werk unermüdlich am Katholizismus abgearbeitet hat.

Graham Greene: Ein ausgebrannter Fall. Deutsch von Dietlind Kaiser. Der Roman erschien zuerst 1960 und beginnt so:

“Der Kabinenpassagier schrieb eine Parodie auf Descartes in sein Tagebuch: “Ich empfinde Unbehagen, also lebe ich”, dann saß er mit dem Füller in der Hand da und hatte nichts mehr aufzuzeichnen. Der Kapitän stand in einer weißen Soutane an den offenen Salonfenstern und betete das Brevier. Die Luft war zu sanft, um seinen Bart zu kräuseln. Die beiden Männer waren seit zehn Tagen allein auf dem Fluß- das heißt, allein bis auf die sechs afrikanischen Besatzungsmitglieder und etwa ein Dutzend Deckpassagiere, die fast ununterscheidbar bei jedem Dorf wechselten, an dem sie anlegten. Das Boot, das dem Bischof gehörte, ähnelte einem kleinen, ramponierten Mississippi-Raddampfer mit einem hohen Vorschiff wie im neunzehnten Jahrhundert und hatte dringend einen neuen weißen Anstrich nötig. Von den Salonfenstern aus sahen sie den Fluß, der sich vor ihnen erstreckte, und unter ihnen saßen die Passagiere auf dem Brückendeck zwischen den Holzscheiten für die Maschine und flochten sich die Haare.”