Der Portugiese, bei dem wir jeden Sonnabend frühstücken, entwickelt sich anscheinend zu einer netten Quelle für Blogeinträge. Das ist sehr angenehm, da muß man nur auf einen Milchkaffee um die Ecke gehen, um etwas schreiben zu können und muß nicht erst tagelang angestrengt ereignisorientiert leben, das kommt mir sehr entgegen.

Heute morgen saß am Nebentisch ein Mann in mittleren Jahren, der auf eine so betonte Art unauffällig angezogen war, wie man es eigentlich nur von Fahrscheinkontrolleuren in der S-Bahn kennt. Das Outfit erinnerte mich noch an etwas anderes, worauf ich nicht sofort kam. Der Mann aß und trank und redete dabei unentwegt auf seinen Sitznachbarn ein, einen großgewachsenen Farbigen in einem schwarzen Anzug, der auch zum Frühstück seinen ebenfalls schwarzen Hut aufgelassen hatte und den ununterbrochen redenden Mann an seinem Tisch durch eine goldgeränderte Brille ausdruckslos ansah. Kein Nicken, keine Zwischenfrage, keine Antwort, nichts. Nur Kauen und Trinken. Sein Gegenüber sagte, als wir uns daneben setzten:

„Und dann die Wirtschaftskrise, da muß man sich ja auch mit auskennen. Export zurück, fünf Prozent, zehn Prozent, was weiß ich, das heißt ja erstmal nichts, da sieht man ja nichts vor sich. Wenn man das aber sehen will, dann muß an in den Hambuger Hafen fahren, da liegt nämlich kein Schiff mehr, gar keins. Kein Schiff! Nur leere Container. Da kommt noch was auf uns zu, auch wenn wir jetzt noch gar nichts merken. Muß man verstehen – versteht man aber nur ganz richtig, wenn man Zeitung liest. Zeitung, nicht Fernsehen oder Internet, wobei man Internet sowieso nicht bezahlen kann. Man denkt man hat eine Flatrate und surft so rum, dann ist man, zack, mit der Verbindung im Ausland, sagen wir im französischen Internet und da kostet das dann x Cent pro Minute oder Sekunde, das machte bei einem Bekannten von mir 46.000 Euro. In einem Monat! Kann sich doch keiner leisten. Sind ja auch nur wenige, die das lesen, da im Internet. Künstler und so. Und Künstler, das sind eh eigenwillige und unangenehme Menschen. Weiß man ja. Ich muß weiter.“

Er stand auf, zahlte und ging. Der Farbige aß weiter, vielleicht hatte er nicht ein Wort verstanden, vielleicht war er nur sehr gut im Ignorieren. Der Redner ging vor die Tür und stieg in sein Auto, machte das Licht in dem Schild auf dem Dach an und da fiel mir auch wieder ein, woran mich der Mann spontan erinnert hatte: An einen in Hamburg fast nicht mehr vorkommenden Menschenschlag, den deutschen Taxifahrer.

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