Wie viele Menschen meiner Profession neige ich gelegentlich zum zwanghaften Zählen, ein kleiner Tic, der normalerweise niemanden behelligt und für mich gelegentlich sogar mit der einen oder anderen Erkenntnis verbunden ist. Denn, wie jeder Esoteriker und Controller weiß, hängt alles mit allem zusammen und auch ein großes Ereignis wie etwa die Weltwirtschaftskrise müßte sich eigentlich in ganz banalen Details spiegeln und dort auf die eine oder andere Art lesbar, zählbar sein. Und so ist es auch. Man muß gar nicht auf die sinkende deutsche Exportquote, einzelne Branchenergebnisse oder unverständliche volkswirtschaftliche Indizes gucken, um zu wissen, woran wir sind, man kann auch einfach zu einer Reinigung gehen und auf den Rosahemdenindex achten, dann weiß man, was Sache ist in der Wirtschaft.

In der Reinigung zum Beispiel, in der ich meine Hemden waschen lasse, hängen im Eingangsbereich immer etwa 100 Hemden zur Abholung bereit, in überschaubare Zehnerbündel unterteilt und in Klarsichtfolie verpackt. Da ich eine lebhafte Aversion gegen Hemden in Rosa habe, fallen Sie mir besonders auf und ich habe in den letzten Jahren mit Abscheu den stetigen Anstieg der Rosaquote im Herrenhemdgesamtbestand beobachtet. Nicht bedacht habe ich dabei, daß diese Hemden für die Träger eine gewisse fröhliche Selbstverliebtheit ausdrücken, eine Unbekümmertheit und Verspieltheit, die in Krisenzeiten ganz unangebracht ist. Die Krise verlangt blaue oder weiße Hemden, in der Krise ist natürlich kein Platz für Rosa, das leuchtet ja unmittelbar ein.

Vor acht Wochen hingen in der Wäscherei noch 22 rosafarbene Hemden im ersten Hundert, gestern waren es nur noch 17. Ein Einbruch von 23%. Das entspricht zum Beispiel dem Absacken des Weltmarktes für Autos in den letzten beiden Monaten.

Ich brauche keine Wirtschaftsnachrichten mehr.

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