Die Mütterschar auf dem Spielplatz vor unserer Haustür wird in diesem Sommer ein gutes Dutzend Kinder zur Welt bringen, durch einen seltsamen Zufall fast durchweg Jungs. Wenn man nachmittags auf diesen Spielplatz geht, sieht man jetzt alle paar Meter nachdenkliche Frauen mit rundem Bauch, die Vornamen murmeln, grübeln, sich fragend ansehen, den Kopf schütteln, weitermurmeln. Zwischendurch ältere Geschwister, die ungefragt sehr seltsame Vorschläge krähen und Väter, die die Vornamen ihrer Väter und Großväter wegen mangelnder Anwendbarkeit verfluchen. Dabei schwankt man allgemein zwischen Offenheit und Geheimnistuerei, einerseits könnte man einen tollen Vorschlag hören, andererseits könnten Namen gestohlen werden.

Ich habe als Mensch, der in Prozeßoptimierung geübt ist, längst vorgeschlagen, das aufwendige Nachdenken in Kleinstgrüppchen einzustellen und alle Kinder einfach gleich zu benennen. Man könnte dann den ganzen Stadtteiljahrgang künftig en bloc behandeln, eine zweifellos sehr praktische Vorstellung. Eis für alle, Rutschen für alle, Schlafenszeit für alle, da lacht das Controllerherz. Auch die Taufe zum Beispiel müßte man nicht zwölfmal teuer einzeln zelebrieren. Ein einmaliger Vorgang mit „Wir nennen dieses Rudel Rudolf“ und fertig.

Seltsamerweise hat den Vorschlag niemand ernst genommen. Was nur wieder beweist: Die meisten Menschen haben einfach keinen Sinn für Effizienz im Alltag.

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