Und dann gibt es Bücher, die einen gar nicht richtig interessieren – und die man dennoch durchliest, was sicherlich eines der höchsten Komplimente ist, die man einem Autor überhaupt machen kann. “Monsignore Quijote” zum Beispiel, ein sehr später Graham Greene, eine Art Nachspiel zum berühmteren Quijote. Da reist ein Nachfahre von Don Quijote, heute ein katholischer Priester, mit einem Nachfahren des Sancho, heute ein kommunistischer Bürgermeister, durch das Spanien kurz nach der Franco-Ära. Thematisch vollkommen veraltet, der Widerstreit zwischen Kommunismus und katholischer Kirche nicht eben rasend interessant aus heutiger Sicht, Greenes bestes Buch ist es sicherlich auch nicht und die Grundidee erinnert verblüffend an Giovannino Guareschi mit seinem Don Camillo, sicherlich allgemein bekannt – aber nach den ersten zwanzig Seiten ist man doch wie immer bei Greene so im Film, daß man ganz wie in einem Kinosessel einfach sitzen bleibt. Alles lebt, man sieht die Szenen, sieht das Land, warum sollte man nicht mehr über das Post-Franco-Spanien lernen, das Buch ist sehr unterhaltsam – ein netter Spaß. Eines seiner letzten Bücher.

Der Roman erschien zuerst 1982 und beginnt so:

“Es kam so: Padre Quijote hatte bei seiner Haushälterin das Mittagessen bestellt, das er immer allein einnahm, und machte sich nun auf, in einem Konsumladen, der acht Kilometer von Toboso entfernt an der Hauptstraße nach Valencia lag, Wein einzukaufen. Es war einer jener Tage, an denen die Hitze über den vertrockneten Feldern lastet und flimmert, und in seinem kleinen Seat 600, den er vor acht Jahren schon aus zweiter Hand gekauft hatte, gab es keine Klimaanlage. Während er dahinfuhr, dachte er betrübt, daß der Tag nicht fern sei, an dem er sich ein neues Auto zulegen mußte.”

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