Was für ein wundervolles Buch, was für ein außerordentliches Lesevergnügen. Ich habe eine Vorliebe für Bücher, bei denen man während der Lektüre etwas vor sich sehen kann und hier ersteht das Berlin der Zwanziger Jahre in einer Deutlichkeit auf, da brauchste keinen Film mehr. Kolossal. Verschärfte Leseempfehlung für Irmgard Keun: „Das kunstseidene Mädchen“. Der Roman erschien zuerst 1932 – die Bücher von Irmgard Keun waren im Dritten Reich verboten. Auch der Wikipedia-Eintrag zu ihr sehr lesenswert, übrigens.

„Das war gestern abend so um zwölf, da fühlte ich, daß etwas Großartiges in mir vorging. Ich lag im Bett – eigentlich hatte ich mir noch die Füße waschen wollen, aber ich war zu müde, wegen dem Abend vorher, und ich hatte doch zu Therese gesagt: „Es kommt nichts bei raus, sich auf der Straße ansprechen zu lassen, und man muß immerhin auf sich halten.“ Außerdem kannte ich das Programm im Kaiserhof schon. Und dann immer weiter getrunken -und ich hatte große Not, heil nach Hause zu kommen, weil es mir doch ohnehin schwer fällt, nein zu sagen. Ich hab gesagt „Bis übermorgen.“ Aber ich denke natürlich gar nicht dran. So knubbelige Finger und immer nur Wein bestellt, der oben auf der Karte steht, und Zigaretten zu fünf – wenn einer schon so anfängt, wie will er dann aufhören?“

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