Die fünfjährige Tochter der schönen Nachbarin übernachtete bei uns, bzw. bei dem Sohn. Ich habe damit gerechnet, daß sie ein riesiges Barbieschloß mitbringen würde oder auch tausendfaches Lilifee-Zubehör oder sieben verschiedene Elfenkostüme oder dergleichen, ich habe mich mental auf eine regelrechte rosa Invasion vorbereitet. Tatsächlich brachte sie dann aber fast nichts mit, außer einer kleinen, knuddeligen Schlafmaus. Harmlos, dachte ich.

Allerdings gehen, wie ich kurz darauf bemerkte, rosa Invasionen auch ganz ohne Zubehör. “Ich bin eine Prinzessin”, sagte die Kleine zur Begrüßung, “und du bist mein Prinz. Und deine Frau ist die Königin.” “Prima”, sagte ich, “das klingt einfach.” Als ich fragte, was die Prinzessin zu trinken wünsche, wurde mir aber erbost beschieden, daß sie sich zwischenzeitlich, wie jeder sehen könne, in Pippi Langstrumpf verwandelt hätte und als solche auch angesprochen zu werden wünschte, “Du bist jetzt Tommy”, sagte sie, “und deine Frau ist Annika.” “Auch recht”, sagte ich, “und wenn ich wieder ein Prinz werde, nenne ich mich Prinz Tommy, das macht dann alles viel einfacher.” Das Mädchen sah mich entgeistert an: “Nein, das geht doch nicht! Das ist ja ganz durcheinander! Wir müssen das richtig spielen!”

“Schon gut”, sagte ich, “ich bleibe dann eben Tommy. Wir können jetzt ja mal in die Villa Kunterbunt gehen”. Ich zeigte auf das Kinderzimmer. Das Kinn der Kleinen hob sich himmelwärts, ein Blick voller Verachtung streifte mich: “Villa Kunterbunt! Nein! Das ist ein Schloß! Mein Schloß! Ich bin doch Prinzessin!”

Majestätisch schritt sie mir voran, warf sich auf ihr Prinzessinnenlager und guckte gelangweilt über ihren Hofstaat. Ich fragte, was eine Prinzessin so den ganzen Tag mache. “Nichts!” sagte sie. “Immer nur nichts. Außer sich Sachen bringen lassen.” Ein überschaubares Programm”, sagte ich. “Und mein Prinz macht auch nichts”, sagte sie, “aber immer neben mir!”

“Und wenn ich mich langweile?” Ich sah sie fragend an. “Prinzen langweilen sich nicht”, erklärte sie mir, “nie nicht.” “OK”, sagte ich, “dann geht’s ja.” Sie dachte intensiv nach. “Aber”, sagte sie schließlich, “wenn ich einmal verreise, dann kannst du ja solange mit der Zofe spielen.”
Die Zofe ist übrigens, wie sich auf weitere Nachfrage klärte, die schöne Nachbarin. So kommt man in aller Unschuld zu lustigen Rollenspielen unter Erwachsenen, denn wer würde den Nachwuchs schon enttäuschen wollen.

Falls Sie sich also immer schon gefragt haben, ob wirklich aller Spaß für Erwachsene endgültig aufhört, wenn man Kinder bekommt: Aber nein.

%d Bloggern gefällt das: