In Hamburg ist es gerade en vogue, gegen Kindergärten zu klagen, die als Lärmquelle ausgemacht werden. Die Nachbarn dieser Einrichtungen fühlen sich zum Beispiel gestört, weil die Kleinen im Garten herumtoben, denn dabei können die Erwachsenen nicht in Frieden Kaffee trinken, schlafen oder lesen, was weiß ich. Tatsächlich kommt man mit solchen Klagen auch durch, denn die Mittagsruhe eines Erwachsenen ist natürlich wesentlich wichtiger als der Spieltrieb der Kleinen. So weit so erstaunlich. Wenn man aber schon wegen jedes denkbaren Schwachsinns erfolgreich Klage einreichen kann, dann überlege ich mir doch ernsthaft, Klage gegen alle Tagesbagger einzureichen.

Wobei unter Tagesbagger solche Baumaschinen zu verstehen sind, die zu Zeiten, an denen kleine Jungs normalerweise wach sind, irgendwo Gruben ausheben, Sand umschichten, Geröll verladen oder ähnlich spannende Dinge tun. Ich fordere das sofortige Verbot solcher Arbeiten zwischen 6 Uhr morgens und zwanzig Uhr abends. Die Nacht reicht doch sicher vollkommen aus, um so etwas zu erledigen. Als Vater eines kleinen Jungen kann ich es nicht länger einfach hinnehmen, daß jeder Weg außerhalb der Wohnung zeitlich um den Faktor zehn verlängert wird, wenn das Kind irgendwo einen Bagger in Aktion sichtet – wobei zu bedenken ist, daß ein aufmerksames Stadtkind früher oder später auf fast jedem Weg einen Bagger in Aktion sichtet.

Daß man dadurch als Vater ständig gezwungen ist, verkrampfte Kinderfinger mühsam einzeln von Bauzäunen zu lösen, daß man dann gar nicht anders kann als den kreischenden, strampelnden und heftigen Widerstand leistenden Nachwuchs rabiat um die nächste Ecke zu schleifen, wo eventuell schon der nächste Bagger fröhlich mit der Schaufel winkt… heillos. Das muß ein Ende haben! Auch als Vater hat man doch das Recht, einmal einfach so spazierenzugehen, ohne immer an die späteren Therapiekosten des Nachwuchses zu denken.

Nur der nachtaktive Bagger ist ein guter Bagger, denn was nachtaktiv ist, das findet in den Köpfen kleiner Jungs nicht statt. Man frage so ein Kind etwa nach Siebenschläfern oder Steinmardern, es wird nur ratlos gucken.

Das Leben kann einfacher sein, man muß sich nur um seine Rechte kümmern. Es wird sich ja leicht ein Anwalt finden lassen, der meine Interessen vertreten möchte, nehme ich an.

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