Ich sitze mit der schönen Nachbarin auf dem Spielplatz vor der Kirche, in einem schmalen Sonnstrahl, den die Altbauten ringsum gerade eben so zwischen sich durchlassen. Die Nachbarinnentochter lehnt an unserer Bank. Sie hat ein kleines blaues Herz auf dem rechten Handrücken, mit Kugelschreiber sorgfältig gemalt. „Oh, ein Herz“, sage ich und gucke mir ihre Hand an. „Ja“, sagt sie, „so ein kleines Herz heißt, daß ein Junge ein Mädchen liebt.“ Auf der anderen Hand ist auch ein Herz, aber viel größer, mit dickerem Stift gemalt, mit einem Pfeil durch die Mitte und einem umrahmenden Kreis. „Und das?“ „Das“, sagt sie, „ist wenn ein Mädchen einen Jungen liebt.“

„So viel größer?“ frage ich. Sie guckt mich ernst an und sagt: „Ja, viel größer. Weil nämlich, Mädchen lieben mehr.“

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