Und dann gibt es Bücher, die werden einem so dringend und so oft empfohlen, daß sie am Ende vielleicht sogar wirklich gut sind.
Dubravka Ugresic: Das Ministerium der Schmerzen. Aus dem Kroatischen von Barbara Antkowiak und Mirjana und Klaus Wittmann. Das Buch erschien zuerst 2004 und beginnt so:

„Ich weiß nicht mehr, wann ich es zum ersten Mal bemerkte. Dass ich an einer Haltstelle stehen konnte, den Blick auf den Stadtplan mit den bunten Straßenbahn- und Buslinien, die ich nicht verstand und die mich kaum interessierten; dass ich gedankenlos dastand und mich auf einmal der Wunsch überkam, mit der Stirn gegen das Glas zu stoßen und mir Schmerz zuzufügen. Und jedes Mal schien es, als würde ich es in der nächsten Sekunde tun.
„Sie werden doch nicht, drugarica?“, sagt er leicht spöttisch und tippt mir mit dem Finger auf die Schulter. Ich bilde mir das nur ein. Aber das Bild ist so lebendig, daß ich wirklich seine Stimme höre und seine Berührung fühle.“

Ein Buch über das Leben im Exil, über die Sprache im Exil, über das Fremdsein und verwirbelte Lebensläufe. Ich bin noch nicht weit gekommen, aber es fängt in der Tat sehr vielversprechend an.

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