John Galsworthy, den liest natürlich kein Mensch mehr. Was bedauerlich ist, gerade für den deutschen Bildungsbürger, der die Buddenbrooks von Mann zwar brav gelesen hat, aber leider verpaßt, wie das englische Pendant zu dem Buch beschaffen ist, die Forsyte Saga. Wer beides gelesen hat, wird die Buddenbrook eventuell hinterher doch ein klein wenig überschätzt finden. Aber das nur am Rande, auf dem Nachttisch liegt eines der kleineren Werke von Galsworthy, ein durch und durch britisches Buch: “Ein Mädchen wartet”, im Original mit dem schönen Titel “Maid in waiting”. Aus dem Englischen von Leon Schalit.

Das Buch erschien zuerst 1931 und man merkt schon nach ein paar Seiten, daß Galsworthy etwas konnte, worum ich ihn sehr beneide, er konnte einen Menschen so beschreiben, daß man nach einer Seite sein Gesicht sieht, seine Haltung kennt und weiß, was er anhat, Und zwar so, daß man ihn auf der Straße erkennen würde. Unglaublich.

Der Roman beginnt so:

“Der Bischof von Porthminster lag im Sterben; man hatte seine vier Neffen, zwei Nichten und den Gatten der einen holen lassen. Es schien, er werde die Nacht wohl kaum noch überleben.
In den sechziger Jahren hatte er unter den Kameraden auf dem College in Harrow und der Universität in Cambridge “Senior Cherrell” geheißen, später in seinen beiden Londoner Gemeinden Pfarrer Cuthbert Cherrell, in seiner Blütezeit als Prediger Kanonikus Cherrell und in den letzten achtzehn Jahren Cuthbert, Bischof von Porthminster. Er war unvermäht geblieben. Zweiundachtzig Jahre hatte er gelebt und fünfundfünfzig – er war etwas später als üblich Priester geworden – hatte er in gewissen Regionen dieser Erde als Gottes Stellvertreter gewirkt.”

%d Bloggern gefällt das: