Man kann mit dem Auto auf den Strand fahren und kaum haben wir geparkt, steigen der Sohn und sein bester Kumpel schon krakeelend aus, zerren die Sandalen von den Füßen, rupfen Schaufeln aus dem Kofferraum und laufen zum Meer. Die Distanz zum Meer ist hier erheblich, der Strand will gar nicht aufhören, da müssen die kleinen Beine schon ziemlich viel leisten, bevor man dem Meer etwas näher kommt. Aber egal, die Schaufel über den Kopf geschwungen und weiter geht’s. Die Nordsee zieht sich gerade zurück, quer vor der Brandungslinie liegen die letzten Priele und Pfützen, in denen es im Sonnenlicht des Nachmittags goldblau glitzert und funkelt. Die Kinder hüpfen juchzend durch die Pfützen, ihre spitzen Schreie klingen, als würden sie die Lachmöwen imitieren, die über ihnen lässig im Wind stehen. Hin und wieder eine tiefere Pfütze, die beiden fallen lachend und kreischend um, die nassen T-Shirts kleben ihnen am Leib, die Schaufeln stochern hier und da en passant im Sand und wirbeln Muscheln und Tang auf. Weiter vorne das Meer, die große Fläche, das große blaue Leuchten. Die beiden fassen sich an den Händen und laufen darauf zu, auf das ganz große Vergnügen, das Überwasser, das Superbad. Eine kleine Welle, die allerwinzigste Vorhut der Nordsee umspült ihre Füße, das Wasser ist hier kälter als weiter oben in den Pfützen, die Kinderschreie werden heller und greller. Noch ein paar Schritte, noch eine Welle, schon etwas größer. Sie stehen und gucken und sehen: da kommt die nächste Welle. Sie baut sich gemächlich auf, sie sortiert sich, als würde sie die Jungs da vorne aufs Korn nehmen – und dann nimmt sie Fahrt auf. Die beiden gucken mit offenem Mund, die Vorwärtsbewegung jäh unterbrochen, zwei Zeigefinger deuten auf das Kommende vor ihnen: “DA!”. Die Welle macht einen langen Hals, als würde sie über die Kinder hinübergucken wollen, sie rauscht auf sie zu –

und nun wissen wir auch, auf welche Geschwindigkeit die beiden wirklich beschleunigen können, wenn sie vor etwas abhauen. Sehr beeindruckend.

Die Welle, die gerade eben noch an die Fersen der Flüchtenden züngeln konnte, versandete mit dezentem Schäumen. Sie hatte eine kleine rosafarbene Muschel mitgebracht, aber dafür wollten sich die beiden Kleinen partout nicht mehr interessieren. Nicht immer kommen Geschenke gut an.

%d Bloggern gefällt das: