Ein kleines Dörfchen, kurz vor dem Deich. Sehr schnuckelige Häuser, alle liebevoll gepflegt. Altes Gemäuer, das sich heimelig unters Reetdach duckt. Jedes Detail aufwendig restauriert und mit Liebe dekoriert, jede Mauer, jeder Winkel. Kein Fenster ohne Rosenumrahmung, keine Tür ohne frischen Anstrich, kein Briefkasten, der nicht in Stil und Farbe dem Haus angepaßt wäre.
Ganz klar, hier wohnen kaum noch Einheimische, hier residiert der Hamburger mit Geld, diskret zurückgezogen, den Wagen der Oberklasse im Carport versteckt, das unter üppigem Blumenbewuchs nahezu verschwindet.

Kleine Häuser sind das dort, aufgereiht wie in einer Pralinenschachtel, zuckersüß und wunderschön, man möchte vor jedem stehenbleiben und “hach” sagen, zumindest bevor man einen schweren Gemütlichkeitskoller bekommt und sich kurz nach Hamburger Graffiti sehnt. Wenn man eine Bierdose dabei hätte, würde man sie jetzt sehr gerne auf ex trinken in einen Garten kicken, nur um wieder etwas Wirklichkeit zu fühlen. So ein Dorf ist das.

Aber wirklich hübsch.

Man geht die Dorfstraße hinunter, Reetdach, Reetdach, Reetdach. Dann, am Ortsausgang, ein unscheinbares, normales, kleines und eher langweiliges Haus, mit ganz normalem Spitzdach, rote Schindeln, schmucklos, wie überall. Da wohnt, man kann es auf einem Schild an der Straße nachlesen, der Reetdachdeckermeister.

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