Das schreibt sich wirklich so und liegt da, wo nicht mehr allzuviele Touristen vorbeikommen. Schmale Landstraßen durchs Nichts. Eine der Straßen endet am Deich, einfach so, da kann man nur noch aussteigen, auf den Deich klettern und Schafe gucken. Da stand ich eine Weile mit der Herzdame und dem Sohn, der den blökenden Schafen nachlief, ihre Rufe nachmachte und mit dem Wind kämpfte, der ihn weiter ins Binnenland pusten wollte.

Als wir wieder zum Auto zurück gingen hielt gerade ein Wagen aus Darmstadt am Gatter, das Fenster des Fahrers ging runter und ein sichtlich genervter Familienvater fragte uns, mit nur schwacher Hoffnung im Blick: “Kann man da das Meer sehen?”

“Naja”, sagte ich, “ein wenig schon. Ist noch eine ganze Ecke weg und richtig ran wird man nicht kommen, aber prinzipiell: ja.”

“Seht ihr”, sagte der Vater erleichtert ins Wageninnere, “hier geht’s. Die Nordsee. Aussteigen, angucken. Und nehmt die Picknicksachen mit!”

“Och nee, stimmt ja doch wieder nicht.”
“Jaja, erzähl mal.”
“Ich steige hier überhaupt nicht mehr aus.”

Auf der Rückbank die drei Töchter der Familie, in bemerkenswert schlechter Laune. “Fahren Sie doch an die Ostsee”, sage ich dem Vater, “die ist super zuverlässig!”. Der Vater sagt nichts, gestikuliert mir aber wild zu und rollt die Augen, während sich seine Frau neben ihm zurücklehnt, die Arme verschränkt und zischt: “Und ich habs ja gesagt, die Ostsee. Ich habe es ja gesagt.”

“Ja”, sage ich, “da gibt es auch richtige Strände. Mit Sand und so und ohne Deich.”

Ab und zu, finde ich, kann ich ja mal etwas Loyalität gegenüber meiner Ostseeheimat zum Ausdruck bringen.

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