Experiment

Man kann eine Geburt normalerweise weder aufhalten noch beschleunigen, das passiert alles so, wie es sein soll – und wie es soll, das wissen wir nicht. Das heißt, es dauert in unserem Fall noch 27 Tage, vielleicht auch vierzehn Tage mehr, vielleicht auch etliche weniger, wer weiß. Der Natur ihren Lauf lassen, man kennt das ja. Man sieht es der Herzdame nicht an, wann es losgeht. Sie sieht zwar gewissermaßen vollreif aus, aber nirgendwo an ihr erscheint ein Datum im Display.

Wir sind schon wieder in der Phase, in der die selbsternannten Experten ringsum rätseln, ob sich der Bauch bereits gesenkt hat oder nicht, es werden schon wieder Schätzungen gemurmelt, „etwa sieben Tage noch“, „wartet mal bis Vollmond“, wir erinnern uns noch ganz gut, wie das bei dem ersten Sohn war. Als die Herzdame gestern eine Zimtrolle auf dem Spielplatz aß, das einzige Stück Kuchen, das der Portugiese nebenan am späten Nachmittag noch zu bieten hatte, warf man sich ringsum wissende Blicke zu, was wir zuerst gar nicht verstanden – bis uns wieder einfiel, daß Zimt als wehenauslösend gilt. Man kann ja nicht an alles denken.

Wir finden aber gerade heraus, ob es nicht vielleicht einen wehenfördernden Effekt hat, wenn das größere Geschwisterkind, das von Warten noch nicht sehr viel versteht und ein klein wenig zur Ungeduld neigt, in immer kürzer werdenden Abständen an den Bauch klopft und „Bruda! Raus!“ schreit.

Wir werden sehen.