Ich gehe am Hamburger Hauptbahnhof vorbei, als mich ein Mann anspricht. Rollkoffer in der Hand, rosa Polohemd, Jeans, Sandalen, er ist ganz entschieden zu leicht angezogen für einen kühlen Regentag im norddeutschen Frühherbst. Aus Indien, Pakistan oder jedenfalls ungefähr aus der Richtung. Er zeigt mit dem Finger vage um sich herum und fragt mich: “Emma Hamback?” Ich antworte, was eloquente und höfliche Hamburger in solchen Situationen eben antworten: “Bidde?”

Der Mann lacht, er faßt sich ans Gesicht, ans Kinn, als würde er da die Muskulatur und die Knochen zurechtrücken, er spricht ganz langsam und sehr bemüht: “Em-ma Ham-back?”. Ich gucke ihn ratlos an. Er wiederholt seinen Text, er bewegt den Mund, als würde er jeden Muskel darum einzeln bewegen, er ist hochkonzentriert. Vokale werden gequetscht und gestreckt, unwillkürlich denke ich an Nudelteig. Allmählich dämmert es mir, was er meint: “Am I Hamburg?” Ich antworte, ganz hanseatischer Weltmann: “Yes, you are in Hamburg.”

Der Mann nimmt meine Hand, schüttelt sie enthusiastisch, grinst und sagt dann: “Lucky me!” Er setzt er sich auf seinen Koffer und sieht sich um. Er wirkt sehr entspannt. Ich gehe weiter.

Lucky me, denke ich, mit dem Satz kommt man auch nicht in jeder Stadt an.

%d Bloggern gefällt das: