Gerbrand Bakker: Oben ist es still. Aus dem Niederländischen von Andreas Ecke. Das Buch erschien zuerst 2006 und beginnt so:

“Ich habe Vater nach oben geschafft. Nachdem ich ihn auf einen Stuhl gesetzt hatte, habe ich das Bett zerlegt. Wie er auf dem Stuhl saß, erinnerte er an ein wenige Minuten altes Kalb, noch bevor es saubergeleckt ist; mit unkontrolliert wackelndem Kopf und einem Blick, der nichts festhält. Ich habe die Wolldecken, Bettücher und die Moltondecke von der Matratze gezerrt, die Matratze und die Bodenbretter hochkant an die Wand gelehnt und den Kopf- und Fußteil von den Seitenteilen abgeschraubt. Dabei versuchte ich möglichst durch den Mund zu atmen. Das Zimmer oben – mein Zimmer – hatte ich schon leergeräumt.”

Ein großartiges Buch. Nüchtern, klar, präzise in der Formulierung, man lebt mit dem Erzähler durch einen holländischen Winter, daß es einem beim Lesen eiskalt wird, und nicht nur wegen des Wetters. Die Abgründe einer Familie, ohne Häme, ohne Pathos, ohne Kitsch. Eine simenonmäßige Handlung und was für eine Ausführung. Sie kennen das vielleicht, wenn jemand mit Zeichenkohle einen Strich zieht, dann noch einen und noch einen und plötzlich ist es eine vereiste Landschaft, obwohl doch auf dem Papier fast nichts zu sehen ist? Genau so.

Sehr beeindruckend. Siehe hierzu übrigens auch Isas Besprechung.

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