Man darf sich so einen Besuch beim Sohn II im Krankenhaus übrigens nicht zu idyllisch vorstellen, wenn man den großen Bruder mitnimmt. Das heißt, es fängt natürlich erst einmal idyllisch an, keine Frage. Sohn I stürzt sich voller Begeisterung auf die schwer vermißte Herzdame: “Meine Mama!” Das ist schon sehr rührend. Dann klettert er auf ihren Schoß und kuschelt ein wenig, wobei allerdings etwa zehn Sekunden ausreichend sind. Dann hat er genug von der Gefühlsduselei. Er sieht sich neugierig in dem neuen Raum um, das ist ja schon spannend, so eine Neugeborenenstation. Wieselflink springt er vom Stuhl und rennt los – denn, hey, die ganze Wand ist voller Knöpfe und Schalter! Und überall hängen Kabel und Strippen, da sind Monitore, auf denen es blinkt, da entstehen Zacken und Kurven in bunten Farben, da hinten piepst etwas, hier pendelt irgend so ein Ding hin und her mit Flüssigkeit drin, das ist ja nicht zu fassen, der kleine Bruder hat das ultimative Spielzimmer! Und, sehr aufregend, wenn man auf einen Knopf drückt oder an einem Kabel zieht, dann gibt es sofort wilde Geräusche, es kommen viele Schwestern richtig schnell angerannt und alle sind super aufgeregt, man muß einfach nur irgendwo hinfassen. Allerdings gucken die Erwachsenen alle sehr finster. Hm. Nur noch schnell den Schalter da – OK, die Besuchszeit scheint um zu sein. Dabei gibt es noch so viele Fragen. Kann man die Rollgestelle der Babybetten wirklich einfach so durch die Gegend schieben? Kann man auf die Fensterbank klettern, vor der dieses ganze Zeug aus Glas steht? Kann man in dem Mülleimer mit den ganzen blutigen Pflastern da womöglich noch etwas Spannendes finden?

Und hatte Papa vor einer halben Stunde auch schon so viele graue Haare?

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