Nicht zu allen Themen kann man praktische Hinweise geben. Es gibt auch Themen, da muß man klar benennen, was passieren wird und deutlich sagen, daß es nichts zu beschönigen gibt, um die Väter richtig darauf vorzubereiten. Nicht jede Phase, die man mit einem Kleinkind erlebt, besteht aus eitel Sonnenschein, es gibt auch harte Zeiten. Harte Zeiten, in denen das Kind zum Beispiel mit einem Laufrad vor die Tür geht.

Etwa ab zwei Jahren kann ein Kleinkind mit dem Laufrad fahren. Oder es zumindest durch die Gegend schieben. Oder es zumindest besitzen wollen. Alle anderen Kinder haben ja schließlich auch eines, denn vor das Fahrrad hat man nun einmal heutzutage das Laufrad gestellt. Alles zu seiner Zeit. Ein Laufrad ist eine sehr, sehr schlimme Sache. Nanu, wird man denken, so ein harmloses Spielzeug, was soll daran schlimm sein?

Die Antwort ist einfach. Nehmen Sie versuchsweise ein Laufrad in die Hand und gehen Sie damit eine Stunde spazieren. Man muß es beim Spazierengehen tragen, denn das Kind, welches es eigentlich fahren wollte und sollte, hat nach zehn gerollten Metern beschlossen, sich doch lieber im gerade eben erlernten, quergehüpften Seitgalopp fortzubewegen, wobei ein Laufrad eher hinderlich ist. Sie werden feststellen, ein Laufrad wiegt auf den ersten Metern nur eine Handvoll Kilo. Nach zehn Minuten wiegt es schon gefühlte 20 Kilo, nach einer Stunde könnten sie ebensogut ein Motorrad schultern.

Wenn Sie das Laufrad so tragen, daß der Lenker nach unten baumelt, wird er Ihnen mit schöner Regelmäßigkeit zwischen die Beine geraten, was für fabelhafte blaue Flecken an den Schienbeinen und schlechte Stimmung sorgt. Wenn Sie das Laufrad so tragen, daß Sie den Lenker in der Hand halten und das lange Ende nach unten baumelt, wird es Passanten in die Quere kommt – was auch für blaue Flecken und schlechte Stimmung sorgt, aber gleichzeitig soziale Probleme mit sich bringt. Wenn Sie das Laufrad auf der Schulter tragen, werden Sie, wenn Sie sich nach Ihrem Kind umdrehen, erleben, daß andere Menschen kreischend in Deckung gehen, während das bunte Gestänge knapp an ihren Ohren vorbeisaust. Wenn Sie versuchen, das Laufrad zu schieben, gucken Sie sich dabei schon einmal die Schilder an den Häusern an, damit Sie den nächsten Orthopäden nicht verpassen.

Wenn Sie, weil Sie ein besonders intelligenter Mann sind, das Laufrad einfach an der nächstbesten Laterne anschließen, wird sich das Kleinkind kategorisch und brüllend weigern, sich noch einen Millimeter weiterzubewegen, ganz gleich auf welche Art.

Wenn das Kind wider Erwarten doch noch einmal auf das Laufrad steigt und sogar erfolgreich damit fährt, werden Sie in gebückter Haltung, mit weit ausgestreckten Armen und ganz unvermuteter Geschwindigkeit dem Gefährt hinterher jagen, wobei Sie zu schnell sein werden, um die Orthopädenschilder mitzubekommen.

Nein, Sie haben keine Chance.

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