Ich sitze mit Sohn II auf dem Sofa, Sohn II schreit. Ich weiß, daß er satt ist, sogar sehr satt, ich kann ihn also leider nicht mal eben der Herzdame übergeben und auf Milchbedarf verweisen. Ich lege Sohn II über die Schulter, ich lege ihn auf den Bauch, ich lege ihn auf den Rücken, Sohn II schreit. Ich gebe ihm einen Schnuller, ich nehme den Schnuller wieder raus, ich stecke ihn wieder rein, Sohn II schreit. Ich massiere seine Füße, ich drücke seine Beinchen, ich stupse seine Nase, ich summe ein Liedchen, ich singe die Marseillaise, Sohn II schreit. Ich schaukel ihn, ich klopfe sacht, ich streichel ihn, ich wiege ihn, Sohn II schreit.

Sohn I kommt vorbei, er ist auf der Suche nach Keksen und nur zufällig im Wohnzimmer. Sieht mir einen Augenblick zu, schüttelt den Kopf. Kommt zu mir, dreht mal eben den Schnuller von Sohn II um eine Vierteldrehung nach rechts, rückt seinen linken Arm minimal zurecht und haut ihm brüderlich auf die Schulter. Sohn II schläft augenblicklich seufzend ein.

Ich will gerade meinen großen Jungen loben, der sich mit seinem kleinen Bruder so unglaublich gut auskennt, da legt der einen Finger an den Mund: „Psst! Schlafen!“ Und er zeigt auf den Kleinen, nickt mir freundlich zu und geht weiter, Kekse suchen. Er gibt sich wirklich Mühe, aber er kann auch nicht dauernd auf uns aufpassen.

%d Bloggern gefällt das: