Der Wecker klingelt, es ist sechs Uhr morgens. Im Bruchteil einer Sekunde habe ich den Wecker ausgeschaltet. Ich war tatsächlich schnell genug, beide Kinder schlafen weiter. Die Herzdame und ich gleiten lautlos wie Schatten aus dem Bett, jetzt bloß kein Geräusch machen, wenn die Kinder aufwachen, dann schaffen wir gar nichts. Ich schleiche in die Küche und mache Kaffee, man kann fast geräuschlos Kaffee kochen, wenn man sich Mühe gibt. Kein Glas klirrt, keine Tasse klimpert, kein Kaffeelöffel poltert zurück in die Dose, jede Bewegung ist berechnet, ich sehe aus wie in einem Stummfilm. Die Herzdame duscht, der Strahl ist schwach eingestellt, das Wasser fällt weich und leise auf sie. Sohn I dreht sich einmal um, Sohn II zuckt im Schlaf.

Ich ziehe mich an, meine Finger rühren sanft wie vorbeifliegende Schmetterlinge an die Kommode im Schlafzimmer. Das Wasser in der Küche kocht fast, mit einem raubtierhaften Reaktionsvermögen hechte ich zum Wasserkocher, noch bevor er richtig laut wird. Es ist 6 Uhr 30, beide Kinder schlafen. Ich sammele meine Arbeitsunterlagen zusammen, mit spitzen Fingern schiebe ich Papiere zusammen, nichts raschelt, nichts knistert. Die Herzdame sitzt schon am Computer und liest E-Mails, ihre Hände huschen über die Tastatur wie Ameisen über Sand. Es ist 6 Uhr 45, wir sind beide geduscht und angezogen, wir haben ein paar Sachen erledigt. Mit Zeichensprache klären wir noch eben die Verteilung der Einkäufe. Ein paar Gesten, ein Nicken. Es ist 7 Uhr, die Kinder können wach werden, wir sind voll im Zeitplan.

Und Sie haben gedacht, diese unheimlichen Ninjas aus den Filmen haben alle eine Superspezialausbildung hinter sich, jahrelanges Shaolinkloster, geheime Trainingslager oder sonst etwas, um so katzenhaft vorwärtszukommen? Vergessen Sie’s.

Alle Eltern von kleinen Kindern können sich stundenlang vollkommen lautlos bewegen.

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