David Foster Wallace: Vergessenheit – Storys. Deutsch von Ulrich Blumenbach und Marcus Ingendaay. Eines der Bücher, bei denen man beim Lesen der Übersetzung denkt, meine Güte, muß das aber eine Schweinearbeit gewesen sein. Der Stil von Wallace hat es in sich, komplex ist gar kein Ausdruck. Auf dem Klappentext steht hinten ein Zitat der Süddeutschen Zeitung: „Schlichtweg brillant“. Ich habe etwa die Hälfte durch und kann das unterschreiben, was nicht heißt, das mir das Buch gefällt. Aber es beeindruckt mich sehr. Beeindruckend, was da mit Sprache gemacht wird, beeindruckend, wie man mit jedem Satz mehr merkt, wie intelligent der Autor gewesen sein muß, beeindruckend auch, was da aus ganz, ganz einfachen Situationen gemacht wird. Einem Mann wird abends im Bett von seiner Frau vorgeworfen zu schnarchen, während er meint, noch gar nicht geschlafen zu haben – so einfach kann es sein. Was man daraus an Story machen kann, diese Erkenntnis lohnt schon den Bücherkauf. Ansonsten ist mir das Buch zu intellektuell, zu kalt und zu berechnet. Alles sehr berechtigt, aber nicht mein Fall.

Die erste Geschichte in dem Band, „Der Spiegel der Natur, eine Kritik der Philosophie“ beginnt so:

„Als ich dann Ende 1966 gerade entlassen worden war, gewann Mutter eine kleine Produkthaftungsklage und verwendete das Geld prompt für eine Schönheitsoperation, um sich die Krähenfüße um die Augen entfernen zu lassen. Der Schönheitschirurg verpfuschte die Sache aber und veränderte ihre Fazialismuskulatur, so daß sie von da an immer aussah, als sei sie schier wahnsinnig vor Angst. Sie wissen bestimmt, wie das Gesicht eines Menschen in dem Sekundenbruchteil aussieht, bevor er zu schreien anfängt. So sah Mutter neuerdings aus.“

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