Ich habe vor geraumer Zeit bereits auf die Besonderheiten des Babyschwimmens hingewiesen. Kein Sport wie jeder andere, wie man hier im Archiv leicht nachlesen kann. Was im alten Text noch fehlt, das kann ich jetzt, nach gefühlten zwanzig absolvierten Babyschwimmkursen, quasi als Profi ergänzen: Die Frage nach dem richtigen Timing. Es ist nämlich entscheidend, für das Babyschwimmen die richtige Jahreszeit zu wählen, sonst hat man sehr viel Ärger damit.

Frühling: Im Frühling kommt Babyschwimmen nicht in Frage, schließlich ist man heilfroh, endlich wieder rausgehen zu können. Da möchte man natürlich nicht in die chlorduftende Luft in einem Hallenbad, nein, da möchte man dem Nachwuchs die Blümelein auf der Wiese zeigen, die singenden Vögelein, die aufgetaute Sandkiste. Da möchte man einfach entspannt in den ersten wärmenden Sonnenstrahlen auf einer Bank sitzen und spüren, wie sich die winterverhärteten Muskeln langsam wieder lockern, da möchte man durch frisches Grün spazierengehen und am nächsten Gewässer tief durchatmen oder auf einer Wiese den ersten Schmetterlingen zusehen. Kein Gedanke daran, die kostbaren Sonnenstunden der wenigen Frühlingswochenenden drinnen zu verbringen.

Sommer: Im Sommer kann das Kind auf jedem größeren Spielplatz planschen, ohne daß man Eintritt dafür zahlen müßte. Selbst auf den kleinsten Balkon paßt ein aufblasbarer Pool für das Baby, Wassergewöhnung findet dabei ganz nebenbei statt, jeder Schlauch erfüllt den Zweck. Die Kleinen spritzen herum und man selbst kann so lange Eis essen oder Kaffee trinken. Man kann an ein Meer oder an einen See fahren und dort spielerisch in den Wellen herumtollen. Es kostet nichts, es ist echt, es ist die reine Lebenslust. Kein Mensch mit Verstand geht im Sommer drinnen schwimmen.

Herbst: Im Herbst verbringt man enorm viel Zeit damit, das Kind nach dem Babyschwimmen abzutrocknen und zu föhnen, damit es sich nur ja nicht erkältet, denn draußen ist es kalt und ein Wind fegt von Nord über die Stadt. Die Trocken- und Föhnzeit übersteigt dabei leicht die eigentliche Badezeit, denn man möchte kein Risiko eingehen und nicht alle Kinder lassen sich gerne föhnen. Man verläßt die Schwimmhalle trocken wie ein Zwieback und wird augenblicklich von sintflutartigen Regenfällen so durchweicht, als hätte man das Becken gerade eben erst verlassen. Schwimmkurse im Herbst können furchtbar deprimierend sein, man sollt sie daher strikt vermeiden.

Winter: Im Winter gibt es zwischen der Außenluft und der Umkleidekabine ein Temperaturgefälle von etwa vierzig Grad. Wer bisher noch keine Kreislaufprobleme hatte, lernt sie jetzt endlich kennen. Man kann die Schwimmhalle nach dem Kurs nicht trocken verlassen, da man klitschnaß geschwitzt ist, sobald man auch nur ein T-Shirt anhat. Von zehn Stunden, die man im Voraus bezahlt hat, versäumt man daher acht bis neun wegen der eigenen Erkältungskrankheiten oder denen des Kindes. Schwimmkurse im Winter sind vollkommen sinnlos.

Zu allen anderen Zeiten sind Babyschwimmkurse aber super und ein großer Spaß.

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