Die Katholiken feierten heute den Heiligen Martin, bzw. den Hallamati, wie ihn Sohn I nennt. Als gebürtiger Lübecker habe ich so etwas in meiner Kindheit natürlich nicht erlebt, wir kannten Katholiken ja nur vom Hörensagen. In meinem Erwachsenenleben habe ich mich bis vor kurzer Zeit nicht recht für Laternenumzüge interessiert und also auch keine erlebt. Sohn I geht nun aber in eine katholische Kita, da ergab sich erstmalig eine gute Gelegenheit, Hallamati live kennenzulernen. Eine etwas ernüchternde Erfahrung.

Da reitet ein Mann, der ein Gesicht macht, als hätte ihn ein Gericht zu diesem Dienst verurteilt, auf einem lustlosen Pferd vor der Kirche auf und ab. Er trägt etwas, das unverkennbar ein rotes Bettlaken ist und er hat aus nicht nachvollziehbaren Gründen seine Reiterkappe mit Alufolie umwickelt. „Bauarbeiter?“ fragt Sohn I und zeigt auf den Reiter. „Der Heilige Martin“, sage ich betont fröhlich. „Hallamati“, murmelt der Sohn skeptisch und guckt sich den Mann genau an. Er kennt Hallamati aus Bilderbüchern und hat sehr klare Vorstellungen. Zeigt auf den roten Mantel und fragt „Decke um?“ „Ja“, sage ich geradezu jauchzend, denn man will das Kind ja richtig einstimmen, “ der Heilige Martin trägt einen roten Mantel.“ Sohn I runzelt die Stirn.

Eine Ordnerin mit Warnweste und Taschenlampe fragt den Heiligen Martin, welchen Weg er reiten möchte, der Zug soll endlich losgehen. Sohn I und ich hören folgenden Dialog:

Ordnerin: Und? Wo reiten sie jetzt raus?
HM: Was weiß ich denn.
Orderin: Äh, na, das müssen sie schon wissen! Sie müssen ja vorweg!
HM: Mir doch egal.
Ordnerin: Wie bitte?
HM. Ich weiß nix. Mir sagt ja keiner was. Ich soll hier rumreiten.
Ordnerin: OK, dann schlage ich vor, sie reiten da rechts raus, an der Schranke vorbei.
HM: Wenn’s sein muß.
Ordnerin: Ja. Sonst geht hier ja nix.
HM: Meinetwegen.

Sohn I guckt jetzt sehr, sehr skeptisch. Aber immerhin, roter Mantel, Pferd. „Hallamati“, sagt er leise und zeigt auf den Reiter, der jetzt achselzuckend sein Pferd wendet und zur Schranke lenkt, hundert Kinder laufen ihm nach. „Ein heiliger Mann“, sage ich, denn ich möchte kein Spielverderber sein, „ein großes Vorbild.“ Und ich denke respektvoll, daß ich es ja auch gar nicht beurteilen kann. Wenn die große katholische Kirche meint, die lieben Kleinen brauchen Vorbilder für das Reiten mit Aluhelm und Bettdecke – bitte sehr. Es wird schon alles seinen Sinn haben.

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