Man kann lesen und lesen und lesen, seinen Bildungslücken entkommt man dennoch nicht. Man kann sich lesend durch Jahrhunderte fräsen, durch Gesamtwerke, Epochen und Gegenden – chancenlos. Pierre Loti, zum Beispiel, in Frankreich gegen Ende des 19. Jahrhunderts bekannt wie ein Superstar – mir bis gestern vollkommen unbekannt, nie gehört. Obwohl er sogar in meinem eigenen Regal steht, wo sich allerdings aus meiner Antiquariatszeit noch so manches findet, was es irgendwann zu entdecken gilt. Beim Umräumen von Bücherstapeln zufällig die erste Seite eines seiner Werke aufgeschlagen, reingelesen, festgelesen, so soll es sein. Pierre Loti: Islandfischer – Roman. Aus dem Französischen von Dirk Hemjeoltmanns und Otfried Schulze. Der Roman erschien zuerst 1886 und beginnt so:

„Fünf mit gewaltigen Schultern saßen, die Ellbogen aufgestützt, trinkend in einem dunklen Logis, das nach Salzlake und Meer roch. Der für ihre Statur zu niedrige Raum spitze sich am Ende zu wie eine ausgeweidete Möwe und schwankte leicht und schläfrig unter eintönigem Ächzen. Draußen mußten das Meer und die Nacht sein, aber man spürte es kaum: die einzige Öffnung in der Decke war mit einem Holzdeckel verschlossen, und nur eine alte Hängelampe verbreitete flackerndes Licht.“

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