Hans-Ulrich Treichel, ich erwähnte es bereits mehrfach, schätze ich sehr. Zum einen schreibt er auf eine äußerst angenehme und überhaupt nicht arrogante Art geistreich und sehr durchdacht, zum anderen schreibt er immer wieder über nur ein wiederkehrendes Thema. Noch ein Buch und noch ein Buch. Der Bruder, der auf der Flucht aus Ostpreußen verlorenging und die Folgen dieses Unglücks für die verbleibende, im ödesten Westfalen gelandete Familie. Klingt vielleicht langweilig, ist es aber überhaupt nicht. Klingt vielleicht auch sehr trostlos, ist es aber auch überhaupt nicht. Hier eine Erzählung, da ein Roman, dann eine Vorlesung, wahrscheinlich gibt es von ihm auch schon Gedichte darüber. Ich finde das ganz wundervoll, denn einerseits ist jedes seiner Bücher lesenswert und anders, zum anderen fällt mir in meinen Geschichten auch immer nur ein Thema ein, ich verstehe das.

Hans-Ulrich Treichel: Anatolin. Der Roman erschien zuerst 2008 und beginnt so:

„Abfahrt Berlin Hauptbahnhof 12.37 Uhr. Ankunft Kutno 17.07 Uhr. Der Berlin-Warszawa-Expreß war reservierungspflichtig. Ich hatte einen Platz an der Abteiltür reserviert, da ich sowohl im Flugzeug als auch in der Bahn zu Beklemmungen neige, wenn ich nicht am Gang beziehungsweise an der Abteiltür sitze. Neben mir war zudem frei, so daß ich mich auf eine entspannte Reise freuen konnte. Mir gegenüber saß eine ältere, ganz in Schwarz gekleidete Dame und daneben ein junges, unübersehbar verliebtes Pärchen.“

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