Wenn man sich ein klein wenig an Projekten übernommen hat und daher nur noch winzige Bröckchen Freizeit mit Literatur befüllen kann, dann wäre es ja schön, in diesen kostbaren Minuten ein Buch zu lesen, das etwas Ruhe verströmt, Ruhe und Gelassenheit. Ein Buch, bei dem sich das Lesen so anfühlt, als würde man in einem englischen Salon in dem Ledersessel vor dem Kamin versinken, ein Glas Sherry in Reichweite, ein paar sympathische Gentlemen in der Nähe – und einer davon würde sich zu einem setzen und anfangen zu erzählen. Mit einer angenehmen, nach Intelligenz und Welterfahrung klingenden Stimme. Vor den schweren Vorhängen der graue Londoner Winter, aber das wäre dann egal, man hörte nur noch zu, zurückgelehnt und angenehm überrascht.

W. Somerset Maugham: Die halbe Wahrheit. Keine Autobiographie. Deutsch von Matthias Fienbork. Das Buch erschien zuerst 1938 und beginnt so:

„Dieses Werk ist keine Autobiographie und auch kein Memoirenwerk. Was ich im Laufe der Jahre erlebt habe, ist auf die eine oder andere Weise in meine Werke eingegangen. Zuweilen diente mir eine Erfahrung als Thema, und ich erfand eine Reihe von Begebenheiten, um sie zu illustrieren; öfter jedoch habe ich Personen, mit denen ich flüchtig bekannt oder eng befreundet war, als Grundlage für die Figuren meiner Phantasie verwendet. Fakten und Fiktion sind in meinem Werk so eng miteinander verwoben, daß ich heute, im Rückblick, das eine kaum vom anderen zu unterscheiden vermag. Es liegt mir nichts daran, Fakten festuhalten – selbst wenn ich mich ihrer erinnern könnte -, von denen ich bereits besseren Gebrauch gemacht habe.“

Und der letzte Satz, der ist übrigens ein ganz wunderbarer, und von solchen Sätzen kommen dann noch sehr viele.

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