So eine zugefrorene Alster hat Vorteile, auf die man gar nicht sofort kommt. Es ist eben nicht nur so, daß man mal eben in 15 Minuten von Sankt Georg nach Harvestehude laufen kann, daß man bisher ungeahnte Fotomotive findet oder sich an dem phantastischen Licht erfreuen kann, wenn die Sonne auf die riesige weiße Fläche trifft. Es ist auch so, daß Sohn I, seit er die vereiste Alster gesehen hat, zuhause gerne längere Zeit ganz still auf dem Boden liegt. Ohne sein Zimmer zu verwüsten, ohne herumzubrüllen, einfach so. Ganz reglos. Flach atmend.

Wir haben das zunächst nicht verstanden und uns etwas Sorgen gemacht, denn es ist ja ungewöhnlich, wenn sich ein gesunder Zweieinhalbjähriger plötzlich still verhält, so etwas ist eigentlich undenkbar und geradezu eine Störung der natürlichen Ordnung. Wir haben ihn gefragt, was los sei, er hat uns ignoriert. Wir haben ihn angestupst, er hat stoisch geradeaus gesehen. Ich habe ihn an den Füßen hochgehoben, er hat mir von unten ins Gesicht gesehen und sehr verstimmt gesagt: „Bin ich die Alster. Kannst du nicht hochheben!“

Er ist im besten Rollenspielalter angekommen. Er zischt abends als Schlange ins Bett, bellt uns morgens als Hund wach und macht tagsüber zur Zeit eben, was man als Alster so macht-  herumliegen. Wa soll sie auch sonst tun. Er freut sich, wenn man vorsichtig über ihn rüber steigt, denn man kann die Alster ruhig betreten, neuerdings. Ansonsten möchte er aber lieber nicht gestört werden, das Herumliegen ist eine ernste und einsame Angelegenheit, die volle Konzentration verlangt.

Wir sind schon sehr gespannt, wie er das sicher bald anstehende Tauen darstellen wird – aber ich habe so eine Idee.

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