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Sohn II ist sechs Monate alt, wir sind also in dem spannenden Alter angekommen, in dem man mit der Beikost anfangen kann. Feste Nahrung! Mit Kauen! Immerhin hat er auch schon einen halben Zahn. Schon seit Wochen starrt er uns beim Essen an, als würden wir ihm ungerechtfertigt etwas vorenthalten, schon seit Wochen flammt in seinem Blick eine unverkennbare Gier, wenn er der Familie beim Abendbrot zusieht. Aber Muttermilch ist so praktisch und gesund, Essen macht Dreck und überhaupt ist der richtige Zeitpunkt für erste Fütterung mit anständigem Essen eine unter Experten umstrittene Angelegenheit. Etwas später, etwas früher, man weiß es nicht so recht. Ich glaube jedoch, gestern eine ganz einfach Regel erkennt zu haben, mit der die Frage nach dem richtigen Moment, um zum Brei überzugehen, beantwortet werden kann.

Die Regel lautet: Wenn man mit dem vermeintlich selig schlafenden Baby essen geht und dieses, sobald das Essen auf den Tisch kommt, die Augen aufklappt und mißtrauisch guckt, weil es ahnt, etwas zu verpassen, wenn es dann mit tiefernstem Blick eine Weile lang aus seinem Kinderwagen heraus jeden Bissen lauernd beobachtet, den der Vater da zum Mund führt – und wenn es sich dann unvermittelt mit einem filmreifen Hechtsprung, den man dem kleinen Kerl noch lange nicht zugetraut hätte, vom Schoß der Mutter auf den Tisch stürzt, um beide Händchen in das dort liegende Steak zu krallen – dann könnte man wohl mal allmählich die erste Pastinake pürieren. Wir haben verstanden.