Schon wieder ein Sachbuch, ich habe es ja befürchtet. Aber wenn man an einem Buch vorbeigeht und „oh, guck mal, interessant“ murmelt und die Herzdame es einem dann sofort schenkt, dann muß man es natürlich auch lesen.  Helmut Schmidt und Fritz Stern: Unser Jahrhundert – Ein Gespräch. Gerade erschienen.

Zu dem Buch muß man gar nicht viel sagen, das geistert ja gerade durch so ziemlich jedes deutsche Feuilleton. Sehr geistreiche Gespräche zwischen dem ehemaligen Bundeskanzler und dem Historiker. Vielleicht aber doch eine kleine Empfehlung.  Wenn Sie nämlich zu den Menschen gehören, die nachts stundenlang wach liegen und sich mit der bohrenden Frage beschäftigen, warum Sie eigentlich jemals im Leben SPD gewählt haben, wenn Sie sich im Bett hin und herwerfen und die Frage Ihnen einfach keine Ruhe läßt – in diesem Buch finden Sie vielleicht ein paar brauchbare Hinweise zur Antwort.

Ich zitiere zur Abwechslung einmal nicht den Buchanfang,  sondern eine Stelle weiter hinten, es geht um Helmut Kohl.

Stern:  Ich habe ihn in den fünfziger Jahren in New York kennen gelernt, als er im rheinland-pfälzischen Landtag saß. Mein erster Eindruck war:   Ein sehr provinzieller Mensch.

Schmidt: Ja, das war er wohl auch. Aber die Tätigkeit in der Bundesregierung in den achtziger Jahren hat auch seinen Horizont gewaltig erweitert. Die Provinzialität, die Sie in den fünfziger Jahren empfunden haben, hatte er in den neunziger Jahren weitgehend hinter sich gelassen. Am Anfang der Kanzlerschaft war sie allerdings noch deutlich spürbar. Ich habe mich oft darüber lustig gemacht.

Stern: Aber nicht öffentlich.

Schmidt: Nicht öffentlich.

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