Man tut sich immer etwas schwer, sich an Zeiten zu erinnern, als man noch ein sehr, sehr kleines Kind war. Aber ich glaube doch, es war ungefähr so: Wenn ich hingefallen bin und mir etwa ein Knie aufgeschlagen habe, habe ich solange herumgebrüllt, bis die nächstbeste zuständige Erwachsenenperson das Knie bepustet oder sonst irgendwie versorgt und mich getröstet hat. Je länger ich darüber nachdenke, desto sicherer bin ich, daß es so war.

Heute ist anscheinend irgend etwas grundsätzlich anders, ich weiß nicht einmal, woran es liegt. Ich kann an einem Beispiel veranschaulichen, was ich meine. Sohn I, noch keine drei Jahre alt, rammt im Herumtoben ein Möbelstück und hat einen blutigen Kratzer auf der Wange. Er hält an, geht zum Spiegel und stellt fest: „Hab ich Kratzer.“ Dann geht er ins Bad, zieht sich einen Hocker ans Regal, steigt rauf, holt den Medizinkorb runter, wühlt etwas herum, nimmt die Heilsalbe, schraubt sie auf, schmiert sich etwas davon auf den Finger und dann auf die Wange. Betrachtet angewidert seinen Finger und schiebt den Hocker zum Waschbecken, um sich die Hände zu waschen. Schiebt ihn wieder zurück, um die Salbe ordnungsgemäß wegzulegen. Geht zum Spiegel, begutachtet die versorgte Wunde und stellt zufrieden fest: „Hab ich Kratzer becremt.“ Dann geht er weiter toben. Meine freundliche Frage, ob ich mal pusten soll, nimmt er nicht einmal zur Kenntnis.

Ziehen die Kinder heutzutage eigentlich schon mit etwa sechs Jahren zuhause aus? Bis dahin dürften sie wohl alles können, was man dazu braucht.

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