Das dritte Buch von Irmgard Keun, das ich lese – und mit der gleichen Begeisterung wie die ersten beiden. „Gilgi – Eine von uns“, ein Titel, bei dem man sofort denkt, das würde man heute anders nennen.  Aber wenn man das weiterdenkt, würde der Titel heute auch im Regal „Freche Frauen“ stehen, das es so bei Thalia tatsächlich gibt, und dann wird einem schon wieder schlecht, so denkt man also besser nicht. Der Roman erschien zuerst 1931, war ihr erstes Buch und es gibt die schöne Geschichte, daß die Autorin als vollkommen Unbekannte das Manuskript an einen Verlag schickte und dazu schrieb „hätte gerne bis übermorgen eine Antwort.“ Der Verlag schrieb postwendend zurück: „Sofort kommen und Vertrag machen!“ Ein großartiges Buch. Auf jeder zweiten Seite beneide ich die Autorin um irgend etwas, eine Formulierung, eine Figur, ein Bild.

Das Buch beginnt so:

„Sie hält es fest in der Hand, ihr kleines Leben, das Mädchen Gilgi. Gilgi nennt sie sich, Gisela heißt sie.  Zu schlanken Beinen und kinderschmalen Hüften, zu winzigen Modekäppchen, die auf dem äußersten Ende des Kopfes geheimnisvollen Halt finden, paßt ein Name mit zwei i. Wenn sie fünfundzwanzig ist, wird sie sich Gisela nennen. Vorläufig ist es noch nicht soweit.“

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