Es hätte meinetwegen gerne so weitergehen können, es ließ sich auch so gut an. Diese zaghaften ersten Küsse, dieses liebevolle Haarestrubbeln, das zunächst flüchtige Umarmen, das ganz langsame Steigern zum stürmischen Knutschen, über Wochen ausgedehnt. Man hat ja Zeit, wenn man so jung und jeder Kuß eine spektakuläre Erfahrung ist. Wir haben das gerne gesehen, wie er sie zum ersten mal auf den Schoß nahm, wie seine Augen leuchteten, wenn sie den Raum betrat, wie sie in seine Arme lief und wie die beiden sich zur Wahrung der Intimsphäre in eine versteckte Ecke des Raumes zurückzogen. Das war schon alles sehr vielversprechend und ich zog daher schon einmal Erkundigungen ein, als Vater ist man ja mitverantwortlich. „Sohn“, sagte ich, „das ist eine gute Wahl, ihre Eltern haben ein Restaurant. Jetzt dranbleiben.“ Er sah mich an und nickte lächelnd. Die Zukunft schien vielversprechend.

Es hätte so nett sein können – hätte, hätte. Seit seine Kita-Freundin aber gestern im fortgeschrittenen Liebeswahn alle brandneuen Piraten-Tattoos von seinen Armen geleckt hat, zweifelt Sohn I  plötzlich doch an der Tragfähigkeit der Beziehung. Er wirft ihr auch eine zu starke Fixierung auf körperliche Aspekte vor: „will sie immer nur küssen.“

Ich fürchte, wir müssen mit einer Trennung rechnen.

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