Ein sonniger Maimorgen, der Spielplatz liegt in der Sonne. Das frische Laub in blendendem Hellgrün, auf dem Boden noch die üppigen Reste der Kirschblüte, die ein leichter Wind vor sich her treibt, hellrote, tanzende Verwirbelungen. Zwei Ringeltauben schnäbeln auf der großen Eiche, Spatzen streiten sich vor der Schaukel um die Krümel der Kekse, die die Kinder gestern verstreut haben. Vom Kirchturm schlägt es zehn Uhr, dann hört man die Orgel leise spielen. Auf den Bänken am Rand des Platzes sitzen Mütter mit Latte Macchiato im Pappbecher und halten ihr Gesicht in die Sonne, eine Schar noch sehr kleiner Kinder buddelt in der Sandkiste. An dem großen Stein daneben malt die Tochter der schönen Nachbarin konzentriert mit Kreide an einem großen Bild. Ich stehe daneben und sehe ihr zu. „Was wird das“, frage ich, „ein Hund? Ein Vogel? Eine Puppe?“ Sie sieht mich irritiert an und tritt dann einen Schritt zurück, als würde sie prüfen wollen, ob ihr Kunstwerk auf diese Entfernung für verwirrte Menschen wie mich tatsächlich so mißverstanden werden kann. Dann nimmt sie energisch die rote Kreide und malt weiter. „Nein“, sagt sie und schüttelt den Kopf, „ich male tote Katzen. Mit alles gebrochen.“ Sie summt ein fröhliches Lied dabei.

Gut, denke ich, warum sollten Kinder auch süß und niedlich sein, nur weil wir es gerne so hätten. Sie sind anscheinend mit sechs Jahren schon komplett von allem Rosa befreit und hatten genug Kontakt mit der harten Wirklichkeit, da kann man vielleicht nichts mehr erwarten. Ich sehe zu Sohn I hinüber, der mit seinen Plastikeiswaffeln spielt und Kugeln aus Sand formt. Nur in dem Alter spielen sie noch unbefangen, denke ich, in dem Alter ist alles noch sonniges Vergnügen. So um drei herum lebt man noch komplett im Idyll. Der Sohn kommt währenddessen auf mich zu und reicht mir eines seiner Förmchen voller Sand. „Da“, sagt er strahlend, „Eis für dich.“ „Danke“, sage ich, „das ist aber nett von dir, schenkst du mir ein Eis?“ Der Sohn bleibt vor mir stehen und hält die Hand auf, er wartet offensichtlich auf etwas. „Möchtest du das Förmchen wiederhaben?“ frage ich ihn.

Er sieht mich unwillig an und  sagt ernst: „Nein, will ich einen Euro. Für das Eis.“

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