Ich gehe mit Sohn I einkaufen, er quengelt nach Weintrauben. Ich kaufe Weintrauben und reiche sie ihm, weil der Hunger diesmal  anscheinend sehr groß ist, ausnahmsweise direkt hinter der Kasse. Er sieht mich empört an und sagt: „Kann man das so nicht essen, ungewaschen!“

Ich bitte den Sohn, mir ein Buch aus dem Schlafzimmer zu holen, aus dem Regal hinter dem Bett. Er geht ins Schlafzimmer, kommt mit leeren Händen zurück und sagt: „Kann ich doch nicht aufs Bett, hab ich Schuhe an.“

Ich mache mit dem Sohn zwischen zwei Terminen einen Zwischenstop in der Wohnung, wir haben keine Zeit, es reicht nur für einen schnellen Toast.  Ich reiche ihm das Brot, er sagt „Kann ich das so nicht essen, ohne Teller und Lätzchen.“

Wir besuchen Freunde, die ein neues Baby haben. Der Sohn betritt die Wohnung und setzt sich grußlos auf den Orientteppich, um eine halbe Stunde lang hingebungsvoll  die Fransen glattzustreichen und zu entwirren. Er murmelt etwas von“ nicht richtig gemacht “ und „geht so nicht“.  Zwischendurch sieht er unsere  Gastgeberin skeptisch an, wahrscheinlich hält er sie für eine durch und durch fragwürdige Person.  Bei Menschen mit unordentlichen Teppichfransen ist alles möglich, sagt sein Blick.

Ich bringe den Sohn am frühen Morgen zur Kita, er sieht mich im Fahrstuhl skeptisch an und fragt: „Nicht Handy vergessen? Oder Schlüssel?“

Andere Väter liegen nachts wach im Bett und sorgen sich um ihre kleinen wilden Kerle, die am nächsten Tag bestimmt wieder Gott weiß was anstellen werden. Ich liege nachts wach und frage mich – wie komme ich eigentlich zu dieser Biedermeier-Brut?

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