Der Moby-Dick hält natürlich noch eine Weile und ist übrigens ganz entgegen meiner Erwartung bisher nicht eine Seite lang öde oder mühsam. Grandioses Buch. Alleine schon wie unheilvoll der Kapitän Ahab auf den ersten 150 Seiten allmählich näher und näher an die Handlung herankommt, ohne je die Szene wirklich zu betreten, in dem er immer nur hier und da von Figuren genannt wird, bis er schließlich bei zunehmender Spannung auf der Pequod mit an Bord, aber dort hinter verschlossener Kajütentür und immer noch unbeschrieben ist – ganz wundervoll.

Aber ab und zu ein paar Zeilen Modernes daneben sind allerdings auch nicht schlecht, daher nun dazu Peter Rühmkorf – der wohnte bekanntlich am Elbufer und geht daher auch als maritimer Autor durch: Tabu I, Tagebücher 1989 – 1991. Das Buch erschien zuerst 1997 und beginnt so:

„28. Dez. 88, 16:30: „Beim Bäcker“ – Schellfisch. Am Strand ein paar krähende Spätpubertätler, Bölkwettbewerbe. Auch verfrühte Silvesterraketen im Anflug, kreischend und böspfeifend, immer widerwärtiger mit den Jahren. Heute nach langer Zeit einmal wieder über meinen unterschiedlich anziehenden Papieren, donjuanistisch hin und her gerissen. Kein gutes Verhältnis zu mir selbst. Das Gefühl, daß etwas zu Ende geht. Zur Hälfte bereits abgestorbenes Zeugs, das man mit sich herumschleppt. Erledigte Stoffe. Hadesgepäck. Und kein tröstliches Buch zur Hand, in dem man rückstandslos verschwinden könnte.“

Sehr schön auch an späterer Stelle ein Satz, den er nach einem kleinen Flirt ohne Folgen notiert: „Ich bin ja auch nur ein grauer Etagenhund.“

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