Sohn I hat das kritische Alter erreicht, in dem man aufpassen muß, was man sagt, es wird sonst gerne an falscher Stelle und mit beängstigender Häufigkeit wiederholt. Wenn dem Kind etwas herunterfällt und es unvermittelt kräftige Flüche von sich gibt, dann weiß man, daß es soweit ist. Man muß dann ein paar Äußerungen und Themen auf die Tageszeiten verschieben, zu denen die Kinder im Bett sind, sonst würde zum Beispiel der Verkäufer im Biomarkt sicherlich bald erfahren, was ich von ihm halte, woraufhin er womöglich mit Vorsatz noch langsamer arbeiten würde, obwohl das zunächst gar nicht menschenmöglich erscheint. Manchmal aber kann man nicht warten, bis die Kinder im Bett sind, manchmal ist es dringend – zumal die Herzdame und ich dank mittlerweile jahrelanger Schlaflosigkeit leicht vergeßlich und nur noch bedingt konzentrationsfähig sind. Wenn wir Themen verschieben, lösen sie sich in der Regel in Luft auf.

Es erscheint uns beiden leider etwas zu mühsam, in solchen Momenten ins Französische zu wechseln, obwohl das natürlich sehr stilvoll wäre. Dummerweise wären wir aber in dieser Sprache auch thematisch etwas eingegrenzt, da wir sie beide lange nicht mehr aktiv verwendet haben, genau genommen würden sich unsere sprachlichen Möglichkeiten auf Sätze wie „ich wohne in Hamburg, das ist neben Lübeck“ oder „welche Farbe hat die Gurke“ oder „mein Regenschirm ist schön, wo gibt es Bier?“ beschränken und das wiederum könnte man auch auf deutsch vor dem Kind aufsagen. Wir versuchen es also in Notfällen ganz banal in Englisch, was auch sonst. Ich hätte ja Latein vorgeschlagen, aber die Eltern der Herzdame fanden damals den altspachlichen Zweig des Gymnasiums überflüssig, was soll man da machen.
Englisch, das geht so leidlich. Es fühlt sich natürlich sehr ungewohnt an, mit dem Partner in einer anderen Sprache zu reden, aber es wird mit der Zeit tatsächlich einfacher. Am Anfang gibt es einige Irritationen, aber darüber kommt man hinweg. Es fällt einem nicht jede Vokabel zum Familienalltag sofort ein und nicht immer ist die Wortwahl auf Anhieb geglückt, aber das gibt sich nach einer Weile.

Ich frage mich allerdings schon, ob es mich nicht vielleicht irritieren müßte, daß die Herzdame im ersten Gespräch dieser Art versehentlich statt „children“ ein anderes Wort benutze. Aber dann dachte ich, ach was, „animals“ klingt ja irgendwie auch ganz ähnlich.


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